Drei Weise und das Morgenland

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DER STANDARD
Freitag, 4. August 2000, Seite 32
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Drei Weise und das Morgenland 
  

Omar Al-Rawi 

Das Treffen der drei Weisen war gerade zu Ende gegangen. Ich freute mich über die Anhörung der Islamischen Glaubensgemeinschaft und war sehr angetan von der Integrität, dem enormen Fachwissen und der Ernsthaftigkeit, mit der die drei Herren ihre Aufgabe erfüllten. Da erfuhr ich aus dem Radio von der Aussage Westenthalers, dass von den Vorwürfen gegen die FPÖ nichts übrig geblieben wäre.

Ich wunderte mich über diesen Optimismus, entweder hat er jeglichen Bezug zur Realität verloren, oder die populistische Ader hat wieder einmal zugeschlagen. Ich werde mich selbstverständlich an die Vertraulichkeitsvereinbarung halten, aber man braucht kein Hellseher zu sein, wenn man sich die Gästeliste anschaut:
Ist Herrn Westenthaler beim Namen Muzicant nicht sofort "Krumpendorf" bzw. "die ordentliche Beschäftigungs-politik . . ." eingefallen? Was hat wohl dieser "nicht europäische Muslime" Anas Schakfeh über das "wehrhafte Christentum" und die Verteidigung des Abendlandes gegen den Islam zu berichten gehabt? Ob es wohl "eine Ansage für seine Leute ist, jemanden zu wählen, der eine Moschee gebaut hat"? Hat der Gewerkschafter Verzetnitsch für "die neue Arbeiterpartei" eine Lanze gebrochen?
Was hat Herr Leitl den Weisen über den "Mann aus dem Süden" erzählt? Hat Herr Gusenbauer den drei Weisen erklärt, warum seine Partei sich seit 14 Jahren beharrlich von den Freiheitlichen abgrenzt? Wie wurde die Rücktrittsaffäre von Superintendentin Knoll von Bischof Sturm dargestellt? Und was hat Caritaspräsident Küberl über den Zuspruch gesagt, den er für seinen Einsatz für bedürftige Fremde immer wieder von den Freiheitlichen bekommen hat? Von Prof. Van der Bellen weiß ich, dass er eine Menge an Dokumenten, vorbereitet von Vertretern der "Zivilgesellschaft", übergeben hat.
Alle in einem Topf 
Die Sanktionen werden fallen! Davon bin ich überzeugt, denn alle haben aus unterschiedlichen Motiven dafür plädiert, die einen aus Staatsräson und die anderen, um den "bleiernen Schleier" loszuwerden. Wir haben es auch getan, da die Sanktionen ihre Aufgabe erfüllt haben. Denn diese haben alle in einen Topf geworfen: Schuldige, Unschuldige, Täter und Opfer. Dennoch hat Präsident Schakfeh gefordert, einen brauchbaren europaweiten Mechanismus einzuführen, um rassistische und xenophobische Aussagen zu registrieren und punktuell zu ahnden.
Ich empfehle Herrn Westenthaler ein wenig Demut, denn wenn sich das Wesen der Freiheitlichen ändern soll, so müssen sie sich ein für alle Mal von Populismus und Fremdenfeindlichkeit verabschieden und sich endlich öffentlich für ihren Wahlkampf bei allen Betroffenen entschuldigen. Hier denke ich selbstverständlich in erster Linie an Muslime und Schwarzafrikaner. Sie müssen sich uneingeschränkt zu Europa und zu den Werten der Gemeinschaft bekennen, zu der ewig gestriges Gedankengut wie Antisemitismus, Rassismus und Islamophobie sicher nicht gehören.
Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi, Initiator der Initiative muslimischer Österreicher/innen, war Mitglied der Delegation der Islamischen Glaubensgemeinschaft bei den drei Weisen. 

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