Bitte nicht im Trüben fischen!

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Bitte nicht im Trüben fischen! 


Ermahnungen eines sozialdemokratischen "Abweichlers"

Aus einem der SP-Zeitschrift "Zukunft" entnommenen Argumente-Katalog, mit dem Omar Al-Rawi, Landtagsabgeordneter der Häupl-Fraktion in Wien und Mitbegründer der Initiative muslimischer Österreicher/ innen deutlich macht, dass die medial kolportierte "rot-blaue Ablehnungsfront" gegen die Türkei durchaus Lücken hat: 
Liegt die Türkei in Europa? - Die Beantwortung dieser Frage hängt von verschiedenen Faktoren ab. Geografie, Kultur, Geschichte und das Selbstbild der Türkei sowie die Anerkennung von außen sind maßgebend. Wir kennen alle die Argumente, dass nur drei Prozent der Fläche der Türkei in Europa liegen, der Rest in Asien, vergessen aber gleichzeitig, dass durch Frankreich, Großbritannien und Spanien die EU sich auf Territorien in Afrika, Südamerika oder der Karibik erstreckt.

Dass die Türkei sich selbst als europäisch definiert, datiert seit der Zeit der späten osmanischen Sultane und ihrer Versuche, das Reich zu europäisieren. Viele von uns reduzieren den geschichtlichen Einfluss der Türkei auf Europa lediglich auf die Belagerung Wiens durch die Osmanen. Dass vertraute historische Namen, Orte und Begriffe wie Herodot, Aesop, Lucullus, Troja, Pergamon, Ephesus und der Berg Ararat von dort stammen, wird zu oft vergessen. All dies erinnert uns daran, dass diese Region, welche heute das Herz der Türkei bildet, eine der Wiegen der europäischen Zivilisation war. Die Türken kamen im 11. Jahrhundert nach Anatolien und wurden nicht nur Erben von Byzanz und des oströmischen Reiches, sondern auch der reichen griechisch-lateinischen Kulturen. Was wäre die Geschichte Europas heute ohne die der griechischen?

Wenn schon die Türkei, warum nicht auch Marokko? - Dies ist ein sehr beliebtes Argument, das auch Josef Cap immer wieder verwendet. Tatsächlich haben auch beide Länder sehr bald und lange vor Österreich ein Beitrittsansuchen gestellt. Während man mit der Türkei 1963 ein Assoziationsabkommen in Ankara unterzeichnete, antwortete man Marokko seinerzeit höflich, aber bestimmt, dass sich ihr Ansuchen lediglich um einen Irrtum handeln könnte und dass nur bilaterale Beziehungen und Begünstigungen infrage kämen. Im Unterschied zu Marokko ist die Türkei seit 1949 Vollmitglied des Europarates und seit 1951 Mitglied der Nato. Ferner ist sie Mitglied der Organisation für Europäische Wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD), der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE, später OSZE) und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE). Fußballerisch ist sie bei der UEFA angesiedelt und musikalisch gewann sie sogar den Eurovision Songcontest.

Aber unsere Bevölkerung ist ja dagegen! - Ja, das ist leider wahr. Trotz jahrelanger Bekanntschaft und Freundschaft zu vielen Mitbürgern, Arbeitskollegen und Nachbarn türkischer Herkunft, ist die Skepsis der Bevölkerung gegenüber einem EU-Beitritt noch immer groß. Unsere Aufgabe als Politiker wäre es, einen aktiven Diskurs zu führen und Überzeugungsarbeit zu leisten. Denn der eigene Beitritt wie auch die letzte Erweiterung ist nicht ohne diese Anstrengung vonstatten gegangen.

Aus wahltaktischen Gründen gefallsüchtig zu agieren, kann keinen Erfolg bringen, denn die Partei wäre nicht gut beraten, wenn sie wieder einmal ihre Grundsätze aufgäbe, um im trüben rechten Wasser zu fischen.

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