Die Presse - Christian Schirmmacher - Islamophobie salonfähiger

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                                                          Islamophobie salonfähiger

Rainer Nowak hat Recht. Zum vielzitierten Dialog gehören tatsächlich auch kritische Stimmen. Und leider verhalten sich Muslime hie und da auch tatsächlich zu wehleidig. Doch sein Urteil in diesem besagten Fall ist nicht ganz treffend.

Zum einen müssen die Begleitumstände in Betracht gezogen werden. In Österreich wird Islamophobie immer salonfähiger, wir leben in einer Zeit in der selbst Parteien rechts der Mitte wie die ÖVP im Metier der Freiheitlichen zu wildern versuchen um am rechten Wählerrand zu fischen. Der Ort Traun, in der die besagte Veranstaltung hätte stattfinden sollen, ist historisch belastet. Zur Erinnerung, Traun war bis dato der einzige Ort in Österreich, indem eine Moschee aufgrund eines Behördenentscheids abgerissen worden ist, so geschehen im Jahre 2000. Ende letzten Jahres wurden auf einem Linzer Grundstück, auf dem ein Moscheebau geplant war, Schweineköpfe auf Spießen aufgestellt, in der Hoffnung den Platz damit zu entweihen und damit den Bau zu verhindern. Unter diesen Umständen halte ich es für legitim einen sensiblen Umgang mit dem Thema Islam und Muslime einzufordern. Eine solche Sensibilität mag eine Herausforderung sein, ist aber nichtsdestotrotz von elementarer Bedeutung.

Der Dialog braucht ohne Zweifel kritische Stimmen, aber Dialog erfordert auch einen Dialogpartner. Ein muslimischer Dialogpartner, ob kritisch oder nicht, wurde allerdings nicht eingeladen. Geladen wurde ausschließlich eine evangelikale deutsche Vortragende, der ein zweifelhafter Ruf vorauseilt. Frau Dr. Christine Schirrmacher wird von vielen Menschen, zu denen ich mich auch dazuzähle, nicht als unvoreingenommene Wissenschaftlerin wahrgenommen, die sie vorgibt zu sein. Ihre Texte weisen islamfeindliche Aspekte auf, sie bedient sich Klischees und Resenntiments und erhebt skurille Einzelfälle zu Allgemeinplätzen um die islamische Religion zu diskreditieren. Ihre Verbindungen zu evangelikalen Kreisen inklusive der missionarischen Lausanner Bewegung sind unbestreitbar und es ist zu befürchten, daß Frau Schirrmacher versucht das gespannte Verhältnis der Bundesrepublik Deutschland zu seinen muslimischen Bürgern nach Österreich zu importieren. Denn Deutschland bietet leider derzeit kein nachahmenswertes gelungenes Integrationsmodell für Muslime.

Auf diesen Umstand machte ich die Organisatoren der Veranstaltung aufmerksam. Dabei handelt es sich um Personen, mit denen ich mich verbunden fühle. Das „Komitee für Miteinander in Traun“ ist ein Ableger der 1999 gegründeten  Initiative „Land der Menschen“, von dem ich - gemeinsam mit Barbara Coudenhove-Kalergi und Helmut Schüller - Gründungsmitglied war sowie der Volkshilfe der Gemeinde Traun. Diese stellten nach meinen kritischen Bemerkungen von sich aus Recherchen an und kamen selbstständig zum Entschluß die Einladung nicht weiter zu fördern, weil sie anscheinend meine Befürchtungen teilten, daß hierbei der Dialog und das Miteinander eben nicht gefördert werden wird.

Die Reaktionen mit denen ich mich nun konfrontiert sehe, insbesondere aus fundamentalistischen evangelikalen Kreisen, sprechen für sich. Meine Homepage wurde mit Beschimpfungen, islamfeindlichen Postings bis hin zu Morddrohungen zugeschüttet. Am Rande des Städtetages in Innsbruck bestätigte mir der Trauner Bürgermeister, der mir bis dato nicht persönlich bekannt war, daß er ebenfalls eine solche Flut an Schmähbriefen erhalten habe. Interessanterweise fast allesamt aus Deutschland stammend. Wörtlich fügte er hinzu, daß man hieraus erkennen kann, „wo in diesem Fall das Agressionspotential liegt“. Herr Bürgermeister Seidl sowie die Vorsitzende des Personenkomitees werden mittlerweile mit vollem Namen, Privatadressen und anderen persönlichen Angaben auf islamfeindlichen rassistischen Websites angeprangert.

Frau Schirrmacher soll auftreten und reden dürfen, wo immer sie will. Ich habe auch niemals ein Auftrittsverbot für sie eingefordert. Meiner Meinung nach sollte das allerdings nicht unter dem Deckmantel der Integration und des Miteinanders geschehen. Und ob für solche Zwecke Steuergelder in Form von Förderungen bereitgestellt werden sollen, muß diskutiert werden.

Gewiß kann man Christine Schirrmacher für die üblen Postings und Mails nicht persönlich haftbar machen, doch es sollte einen zumindest nachdenklich machen, wieso sie offenbar eine solche Anhängerschaft mobilisieren kann. Ich hoffe, Frau Dr. Schirrmacher distanziert sich von solchen Auswüchsen und wirkt derart auf ihre Kirchengemeinde ein, daß die Drohungen bald ein Ende haben.

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