Der Standard - Einseitige Lobeshymne aus dem Außenamt

User Rating: 0 / 5

Star InactiveStar InactiveStar InactiveStar InactiveStar Inactive
 

Einseitige Lobeshymne aus dem Außenamt - von Omar Al-Rawi: GÖAB-Vorstandsmitglied, Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich und Abgeordneter der SPÖ-Wien

Es ist anzunehmen, dass selbst Ursula Plassniks israelischer Amtskollegin Zipi Livni kaum auf die Idee käme, eine derart einseitige Lobeshymne auf Israel zu schreiben.

Die Frau Außenministerin spricht vom Pioniergeist der Gründungsväter und vergisst die Vertreibungen der Araber zu erwähnen, welche die Staatsgründung begleitet haben. Eine neue Generation israelischer Historiker hat bereits vor Jahren die Begleitumstände der Entstehung des Staates Israel beschrieben und den von Plassnik beschworenen Mythos als Legende entlarvt. Einige Publizisten wie Tom Segev, Ilan Pappe oder Baruch Kimmerling sind auch hierzulande bekannt.

Sie prangert die Terrorattacken der Palästinenser an, ohne ein Wort über Raketenangriffe Israels in Wohngebiete Gazas und die Auslöschung ganzer Familien zu verlieren. Ist das nicht auch Staatsterrorismus? Das Atomprogramm des Irans wird natürlich ebenfalls angeprangert, ohne dass ein einziges Wort das atomare Waffenarsenal Israels streift.

Gelobt wird Israel als "einzige Demokratie" in der Region mit umfassenden rechtsstaatlichen Institutionen und vergessen werden die strukturellen und rechtlichen Benachteiligungen und Diskriminierungen der Araber mit israelischer Staatsbürgerschaft sowie die seit über vierzig Jahren andauernde völkerrechtswidrige Militärherrschaft über besetztes Gebiet.

Nicht gelobt wird die palästinensische Demokratie, auf die Israel mit der Inhaftierung bzw. gezielten Ermordung palästinensischer Politiker sowie der Aushungerung und der Zerstörung von Verwaltungseinrichtungen reagierte und die von westlichen Staaten, darunter auch Österreich, mit der Nichtanerkennung einer gewählten Regierung belohnt wird.

Die Notlage der Bevölkerung in Gaza ist der Frau Ministerin konsequenterweise ebenfalls keinen Halbsatz wert. Laut Plassnik haben die Israelis es geschafft, einen "bedeutenden Hochtechnologiesektor" und eine "moderne Volkswirtschaft" hervorzubringen, offensichtlich meint sie im Gegensatz zu den arabischen Nachbarn. Ob das ohne die jährlichen Geldtransfers aus den USA in Milliardenhöhe auch möglich gewesen wäre, steht auf einem anderen Blatt, nicht aber in Plassniks Kommentar.

Österreichisch-Israelische Freundschaft - von Sepp Rieder, 1. Präsident der ÖIG Richard Schmitz 2. Präsident Susi Shaked ,Generalsekretärin

Auch die Österreichisch-Israelische Gesellschaft (ÖIG) hat mit Erstaunen vermerkt, dass Österreich bei den Jubiläumsfeierlichkeiten in Israel zur 60. Wiederkehr der Gründung des Staates Israel nicht vertreten war. Dazu kann nach Rücksprache mit gutinformierten Kreisen festgestellt werden: Israel hat namentlich Staatsoberhäupter, Künstler, Wissenschafter und Intellektuelle zu den Feierlichkeiten eingeladen. Bundespräsident Fischer wird noch im Jubiläumsjahr die Verbundenheit Österreichs mit Israel durch einen offiziellen Staatsbesuch dokumentieren. Eine Einladung an die österreichische Bundesregierung hat es wegen der namentlichen Einladungen nicht gegeben.

Israels Botschafter in Österreich hat sich offiziell bei Bundesministerin Plassnik für ihre im Namen der Bundesregierung abgegebene Grußadresse sowie für ihren Artikel im Standard sehr herzlich bedankt. Die Österreichisch-Israelische Gesellschaft hofft, dass auch in Zukunft das Verhältnis Israel/ Österreich herzlich und positiv bleibt. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.5.2008)

0
0
0
s2sdefault