Keine Symbole der Intoleranz-Kleine Zeitung 04.01.2008

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"Kleine Zeitung" vom 01.04.2008                           Seite: 38

Ressort: BRIEFE

Steiermark

DIE THESE

Keine Symbole der Intoleranz

DEBATTE

Es wäre traurig, wenn gerade Österreich das Menschenrecht auf Religionsfreiheit für Muslime einschränkt.

OMAR AL-RAWI
zur heimischen Diskussion über den Bau von Minaretten
Die Bischöfe Küng und Fischer widersprachen Kardinal Schönborn und sprachen sich gegen das Recht aus, Moschee-Bauten mit Minarett zu erlauben. Moscheebauten zu verhindern verstößt nicht nur gegen die Freiheit der Religionsausübung, sondern auch gegen den Gleichheitsgrundsatz, das Diskriminierungsverbot sowie gegen den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz. Zusätzlich wird die Europäische Konvention der Menschenrechte verletzt, die Österreich ratifiziert hat, und somit eine völkerrechtliche Verpflichtung eingegangen ist.
Hier sei auf die veröffentlichte Gallup-Langzeituntersuchung hingewiesen, wonach die Mehrheit der Muslime westliche Werte schätzt. Dafür wurden 50.000 Personen interviewt, die Erhebungen dauerten sieben Jahre, das Ergebnis räumt mit zahlreichen Vorurteilen und Klischees auf. Der angenommene grundlegende Gegensatz im Denken von Muslimen und Bürgern westlicher Gesellschaften hat sich nicht bestätigt.
Das Gegenteil war der Fall. Insbesondere war man von der Meinungs- und Religionsfreiheit und der parlamentarischen Demokratie des Westens beeindruckt. Überraschend erscheint auch die Haltung zur Gleichberechtigung der Geschlechter.
Die Mehrheit der Befragten im Iran, Saudi-Arabien und Indonesien befürworten gleiche Rechte für Männer und Frauen. Freiheit und Wohlstand standen in islamischen Ländern hoch im Kurs, gewaltsame Konfrontationen wurden mehrheitlich abgelehnt. Dass ihr Glaube vom Westen nicht respektiert wird, störte am meisten.
Professor John Esposito von der Georgetown University warnte zu Recht, dass die Entscheidungsträger direkt aufs Volk hören und sich ein genaues Verständnis der Konflikte aneignen sollten, andernfalls würden Extremisten auf allen Seiten an Boden gewinnen.
In vielen islamischen Ländern wie Syrien, Ägypten, Indonesien oder Irak gibt es seit jeher Kirchen mit Kreuzen und Glockentürmen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden jüngst fünf Kirchen auf Staatskosten errichtet. Im Golf-Staat Qatar wurde vorigen Monat eine neue katholische Kirche eingeweiht und sogar in Saudi-Arabien gibt es Hinweise nach dem Besuch des Königs Abdullah beim Papst, dass sich hier die rigide Haltung langsam erweicht.
Es wäre wirklich traurig angesichts solch positiver Entwicklungen in der islamischen Welt, wenn gerade Österreich, das als europäisches Modell im Umgang mit dem Islam gilt, sich von Meinungen durch Populisten oder konservative Bischöfe beeinflussen lässt und dass allgemeine Menschenrecht auf Religionsfreiheit für muslimische Bürger in Österreich einschränken würde.
Gott sei Dank ist die klare Haltung des Wiener Kardinals Schönborn unmissverständlich.
Omar Al-Rawi ist Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

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