Städte sind keine Zielscheiben-Kleine Zeitung 31.01.2008

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"Kleine Zeitung" vom 31.01.2008   Seite: 56Steiermark

DIE THESE

Städte sind keine Zielscheiben

DEBATTE

Inhumane Politik ist eine schlechte und eine verrückte Politik, die keine Lösungen bringt.


OMAR AL-RAWI
macht sich Gedanken über die aktuelle Lage im Gazastreifen
In Korea fand der UCLG-Kongress statt, der größte Weltverband von Stadt- und lokalen Regierungen. Die Probleme der Städte und Ballungszentren weltweit sind die gleichen. Herausforderungen der Umwelt, Wasserversorgung, Abwasser, Müll, der demographischen Entwicklung, Verkehr, Wohnungsnot ethnische Vielfalt, Integration, Armut und Versorgung sind gleich. Städte sind Zentren der Kultur und Zivilisationen und haben eine sehr fragile Struktur bei Katastrophen und Kriegshandlungen.
Die "Bürgermeister für den Frieden" präsentierten die Initiative "Städte sind keine Zielscheiben". Dies wurde vom Kongress unterstützt. Nicht nur die Eliminierung von Massenvernichtungswaffen wurde verlangt, sondern auch Nationen und bewaffnete Gruppen wurden aufgefordert, Städte nicht als militärisches Ziel anzusehen.
In Gaza erleben wir derzeit eine humanitäre Tragödie. Die Chefin vom UN-Hilfswerk für Palästina, Karen Koning Abu Zayd, äußerte ihre Beunruhigung über die scheinbare Gleichgültigkeit der Welt. Dies geschehe ihrer Ansicht nach mit dem "Wissen, der Einwilligung und manche würden sagen der Unterstützung der internationalen Gemeinschaft".
Die medizinische Versorgung im Gazastreifen hat sich deutlich verschlechtert. Viele werden zu spät oder gar nicht behandelt, was zu vermeidbaren Todesfällen führt, Inkubatoren und Dialysemaschinen stehen still. Die Blockade verhindert Hilfsmaßnahmen und verringert die Chancen für eine friedliche Lösung des Nahost-Konflikts.
So kann man sicher keinen Frieden schaffen und mit Recht meinen viele, dass die Schwere der Abriegelung denen in die Hände spielt, die kein Interesse am Frieden haben. Denn hungrige, kranke, wütende Menschen sind keine guten Partner für den Frieden.
Uri Avnery verglich den Exodus mit den Fall der Berliner Mauer. Und der Übergang von Rafah war für ihn das Brandenburger Tor. Man sagt über Gaza, dass es das größte Gefängnis der Welt sei. Jedoch werden in jedem Gefängnis der Welt zumindest Nahrungsmittel und Wasser zur Verfügung gestellt.
Inhumane Politik ist eine schlechte und verrückte Politik, die keine Lösungen bringt.
Ägypten machte nicht ganz freiwillig, trotz ausländischem Druck, eine Ausnahme und der ägyptische Präsident Hosni Mubarak hat weise gehandelt. Das Einschreiten der restlichen internationalen Gemeinschaft sei deshalb dringlicher denn je.
Das Durchbrechen der Mauer war ein Akt der Befreiung. Und die Lehren daraus sind, angesichts der hilflosen Grenzsoldaten, dass keine Macht der Welt Menschenmassen Widderstand zu leisten vermag, die gerade die Grenze der Hoffnungslosigkeit überschritten haben.
Omar Al-Rawi, Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich und SPÖ-Gemeinderat in Wien

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