Auch die Türkei gehört in die EU 17.05.2007

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"Kleine Zeitung" vom 17.05.2007                           Seite: 48

Ressort: BRIEFE

Von: OMAR AL RAWI

Steiermark

DIE THESE

DEBATTE Auch die Türkei gehört in die EU

Schade, dass das Modell der EU nicht von den arabischen und islamischen Staaten kopiert wird.

OMAR AL RAWI

sieht in Europa ein Vorbild für die islamische Welt SCHEDL

Der Mai 1950 war ein Datum, das Europa veränderte. Der französische Außenminister Robert Schuman verkündete den Plan seiner Regierung, als ersten Schritt zur europäischen Einigung die Kohle- und Stahlproduktion Frankreichs und Deutschlands einer gemeinsamen Behörde zu unterstellen. Schon 1951 gründeten sechs Statten die EGKS. Sie seien entschlossen, "durch die Errichtung einer wirtschaftlichen Gemeinschaft den ersten Grundstein für eine vertiefte Gemeinschaft unter Völkern zu legen", hieß es damals.

Aus der EGKS ist 1957 in Rom die EWG geworden, später die EG, dann die EU. Heute umfasst die Union 25 Mitglieder, sie hat Europa Frieden und Stabilität gebracht. Sie hat durch starke wirtschaftliche Verflechtung die historischen Gegner auf dem Kontinent nachhaltig aneinander gebunden. Noch nie hat es in der Geschichte dieses Kontinents so lange Frieden gegeben.

Schade, dass dieses Modell von den arabischen und islamischen Staaten nicht kopiert wird. Dort herrschen Gewalt und Krieg zwischen der Bevölkerung des gleichen Landes. Geschichtsträchtige Städte wie Bagdad, die einst das Zentrum für Zivilisation, Kultur und Wissenschaft waren, versinken in Gewalt, Chaos und Terror. Während Europa es geschafft hat, diverse Ethnien, Religionen und Kulturen zu vereinen, bleibt für viele Länder des Nahen Ostens dieses Modell ein frommer Wunsch.

Wegen der unmittelbaren Nachbarschaft zu dieser Region sollte Europa eine größere Rolle in der Außen- und Entwicklungspolitik spielen und mehr Friedeninitiativen unternehmen. Dazu gehört endlich die Implementierung eines EU-Außenministers. Mehr Politik und weniger Krieg sollte die Lösung sein. Europa ist es gelungen, mit Verhandlungen, Kompromissen und Geduld den Kontinent zu einen und zu befrieden, ohne Krieg zu führen.

Europa sollte nicht nur eine Wirtschafts- und Währungsunion sein, sondern vor allem eine Sozial- und Umweltunion, eine Union, in der Beschäftigung und Wirtschaftswachstum Priorität haben, in der nicht der Profit das Hauptanliegen ist, sondern die Lebensqualität und Versorgungssicherheit der Bevölkerung.

Es geht auch darum, für uns alle ein starkes gemeinsames Europa zu schaffen, das im politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Wettbewerb zu den USA, Russland und China bestehen kann.

Wir können und wollen keine neue Supermacht werden, aber wir wollen auch keine Unterwerfung - unter wen auch immer - akzeptieren. Wir wollen ein vernünftiges Gleichgewicht auf der Grundlage einer echten Partnerschaft. Und für dieses Europa brauchen wir auch die Länder des Balkans und die Türkei.

Omar Al Rawi ist Mitbegründer der Initiative muslimischer Österreicher und Österreicherinnen.

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