UNSERE ANGST IST VIEL ,GRÖSSER 04.12.2004

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  INNENPOLITIK 
 Ausgabe von Samstag, 4. Dezember 2004 

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Omar Al-Rawi sieht die Stellung des Islam in Österreich als Modell für Europa 

Auf einer Konferenz wollen die Imame des Landes vorbeugende Maßnahmen gegen den islamischen Extremismus beraten, erklärt der Moslem-Vertreter Omar Al-Rawi

„UNSERE ANGST IST VIEL ,GRÖSSER“

von Simon Kravagna 

Es waren klare Worte, die in der Wiener Shura-Moschee im zweiten Wiener Gemeindebezirk beim Freitagsgebet gesprochen wurden: „Die Ereignisse in Holland nach dem Mord an Theo van Gogh erfordern eine klare Stellungnahme. Ohne Wenn und Aber ist der Mord am Filmemacher zu verurteilen, unabhängig wie man zu den Werken oder Aussagen des Regisseurs steht. Die Tat ist eine Katastrophe für alle Menschen in Europa und bedroht den sozialen Frieden nicht nur in Holland, sondern auch in anderen europäischen Ländern, wie ein Angriff auf eine muslimische Einrichtung in Deutschland dramatisch zeigt“. 
Die Aussage eines einzelnen, demokratischen, Imam? Nein, die Predigt von Scheich Adnan Ibrahim, Österreicher palästinensischer Herkunft, ist nur eine Stimme innerhalb der islamischen Gemeinde in Österreich von vielen, weitere sollen folgen. 
Die islamische Glaubensgemeinschaft, die offizielle Vertretung der religiösen Belange der Moslems in Österreich, wird in den nächsten Tagen die Imame des Landes zu einer großen Versammlung nach Wien laden. Grund der ungewöhnlichen Aktion: „Wir wollen eine klare Stellungnahme zu Extremismus abgeben und Präventivmaßnahmen beraten“, erklärt Omar Al-Rawi, Integrationsbeauftragter der islamischen Glaubensgemeinschaft, gegenüber dem KURIER. 
Al-Rawi, der auch Wiener SPÖ-Gemeinderat ist: „Mit der Versammlung der Imame wollen wir glaubwürdig zeigen, dass wir alles tun, um gegen Fanatismus vorzugehen.“ Mediale Berichte über eine angebliche Radikalisierung der Moslems weist Al-Rawi als falsch zurück. 
„Es ist in Europa keine Selbstverständlichkeit, dass Moslems beim Staatsoberhaupt 
eingeladen sind.“



Vielmehr ist es für den gebürtigen Iraker, der vor 27 Jahren nach Österreich kam, „kein Zufall, dass es in Österreich bisher keine Attentate moslemischer Fanatiker gegeben hat“. Anders als etwa in Holland, aber auch Deutschland fühlen sich die Moslems in Österreich laut Al-Rawi integriert und akzeptiert. 
Grund dafür sei der Umstand, dass der Islam in Österreich eine anerkannte Religionsgemeinschaft ist. Der 25. Jahrestag der Anerkennung wird am Montag mit einem großen Festakt im Wiener Rathaus gefeiert. 
Die rechtliche Anerkennung ist für Al-Rawi ein wesentlicher Grund, warum es in Österreich „keinen Nährboden für islamischen Extremismus gibt“. Dazu würden einerseits der islamische Religionsunterricht in den Schulen, aber auch mediale und politische Beachtung beitragen. „Es ist in Europa keine Selbstverständlichkeit, dass Moslems beim Staatsoberhaupt eingeladen sind oder moslemische Stimmen in den Medien Platz finden“, sagt Al-Rawi. 
Wie die Glaubensgemeinschaft auf einen Film reagieren würde, der, wie jener in den Niederlanden, angeblich religiöse Gefühle verletzt? „Wenn es um beleidigende Inhalte geht, würden wir den Dialog suchen und beim Tatverdacht der Verhetzung rechtliche Schritte andenken“. Für Al-Rawi ist Österreich damit ein „Modell für ganz Europa“. Delegationen aus den Niederlanden und Deutschland hätten die Situation vor Ort erkundet. 
„Wir wollen 
glaubwürdig zeigen, dass wir alles tun, um gegen den Fanatismus vorzugehen.“



Mit einem Vorurteil möchte Al-Rawi auch noch aufräumen. Anders als etwa in der katholischen Kirche würden im achtköpfigen höchsten Gremium der islamischen Glaubensgemeinschaft auch zwei Frauen sitzen und mitbestimmen. 
Und noch etwas stellt Al-Rawi klar: „Unsere Angst, dass etwas passiert, ist noch viel größer als jene der nicht moslemischen Bevölkerung.
Wir würden darunter am meisten leiden, wenn etwas passiert.“ 

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