Integration ohne Bildung? Gastkommentar zur Studien gebühren 27.09.2004

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Meinung Zum Tag:
Integration ohne Bildung?
 
(Die Presse) 27.09.2004
 
 
 
 
 

ur erfolgreichen Integration gehört nicht nur das Erler nen der deutschen Sprache, sondern auch die Weiter- und Ausbildung vor allem an höheren Schulen und Universitäten. Denn eine Partizipation auf allen Ebenen, gesellschaftlich, kulturell, politisch und vor allem wirtschaftlich ist ein Indikator für eine gelungene Integration. 
Ab dem Wintersemester 2004 wird Studenten aus den sogenannten Schwellenländern die Befreiung der Studiengebühren an österreichischen Universitäten nicht länger gewährt und die doppelte Gebühr verrechnet. Betroffen davon sind vor allem Bürger Ex-Jugoslawiens und der Türkei. Der Großteil der Migranten Österreichs stammt aus diesen Ländern. Besonders betroffen sind Kinder der zweiten Generation, die entweder hier geboren wurden, aber noch nicht die Staatsbürgerschaft besitzen, oder im Rahmen der Familienzusammenführung nachgezogen sind. Diese Familien gehören nicht unbedingt zu den gut Betuchten und müssen sehr oft auch durch rechtliche Restriktionen auf dem Arbeitsmarkt mit nur einem Einkommen auskommen. Die doppelte Studiengebühr stellt somit für sehr viele eine unüberbrückbare Hürde dar. Denn ohne geeignete Qualifikationen ist auch ein sozialer Aufstieg sehr schwer zu erreichen. 
Bei jenen Studenten, die aus dem Ausland kommen, vergibt sich Österreich eine große Chance. Denn die meisten dieser Länder werden in den nächsten 15 Jahren Mitglieder der EU sein oder zumindest den Status einer privilegierten Partnerschaft genießen, also zu einer Zeit, wo diese Studenten in ihren Heimatländern höchstwahrscheinlich führende Rollen in der Politik oder Wirtschaft innehaben werden. Anstatt mögliche zukünftige "austrophile" Entscheidungsträger zu fördern, schaffen wir mit dieser neuen Regelung zusätzliche Barrieren gegenüber jenen Bürgern, die schon traditionell eine besondere Beziehung zu Österreich pflegten. Wien müsste zumindest ein Stück seiner Rolle als Treffpunkt zwischen Ost und West, als Ort der Begegnung und des Dialogs, einbüßen. 
In den letzten Jahren wurde Österreich zu einem Hafen für jene Studentinnen aus Islamischen Ländern, die in ihren Heimatländern durch restriktive Bekleidungsvorschriften keinen freien Zugang zu Bildung hatten. Hier konnte Österreich in der islamischen Welt punkten und unterstreichen, dass es im Umgang mit dem Islam innerhalb Europas Modellcharakter genießt. Eine Kosten-Nutzen-Rechnung würde rasch eine Rücknahme diese Entscheidung ergeben. 
DI Omar Al-Rawi 
Der Autor ist Abg. zum Wiener Landtag und Gemeinderat der Stadt Wien (SPÖ). 
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