Migranten - von Objekten zu Subjekten Gastkommentar 07.02.2002

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07.02.2002 Quelle: Online-Presse

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Gastkommentare
Migranten - von Objekten zu Subjekten
 
Integrations-Vertrag: Bei den Beratungen hätte man die Migranten mitreden lassen sollen. 

GASTKOMMENTAR VON OMAR AL RAWI

 
 
Diplomingenieur Omar Al Rawi vertritt die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen und ist Mitglied der "Wiener Integrationskonferenz".

Konzepte zur positiven Integration und Förderung der deutschen Sprachkenntnisse von Einwanderern sind natürlich begrüßenswert und ein Muß für ein friedliches Miteinander und für den Abbau von sozialen Spannungen.

Die Bundesregierung will in den nächsten Wochen den endgültigen Vorschlag zur Reform des Ausländerbeschäftigungs- und des Fremdengesetzes vorlegen. Wie "Die Presse" berichtet, schlägt die Regierung in fast allen Punkten eine harte Linie ein. Doch auch der Geist des geplanten Integrationsvertrages in seiner jetzigen Form ist bedenklich und sollte überdacht werden. Hier spricht man in der allgemeinen Diskussion neben der Androhung von Sanktionen und dem Fehlen von Anreizen viel zu wenig darüber, daß MigrantInnen einfach nicht als Partner erachtet werden.

Im Bereich des Arbeitsmarktes und der sozialen Integration degradiert das Konzept der "Ausländer-Bewirtschaftung" Zuwanderer zu bloßen Objekten der Politik, anstatt sie zu Subjekten der einschlägigen Politikfelder zu machen.

Auch die Zuwanderungspolitik orientiert sich eher an der demographischen Entwicklung und Erfordernissen der Wirtschaft als an grundlegenden menschlichen Bedürfnissen wie der Familienzusammengehörigkeit.

Leider wurde es verabsäumt, die Betroffenen bei der Gestaltung des Integrationsvertrages irgendwie einzubinden - etwa getreu dem Modell der Sozialpartnerschaft, um auf Infrastruktur, Zeit und Kosten Rücksicht zu nehmen. Der Philosoph Jürgen Habermas nennt die Etablierung des "Subjektivitätsprinzips" die größte Leistung der kulturellen Moderne. Dieses Prinzip beinhaltet die Betonung der Individualität des Menschen. Nur als Individuum kann die Welt mittels eigener Fähigkeiten erkannt und verändert werden. Die gesamte Konzeption der Menschenrechte basiere auf diesem Prinzip, ja sie sei ohne diese Grundlage unvorstellbar.

Erfolgreiche Unternehmen haben dies schon längst begriffen und sprechen demzufolge bereits von "Clienting" statt von "Marketing". Ihre Mitarbeiter sind ihnen wichtigstes Kapital und nicht nur Kostenfaktor. Mitarbeiterabteilungen gelten als "Human Ressource". Ein Motto, wie man es in Österreich gern verwendet, "Der einzige, der stört, ist der Kunde", wäre unvorstellbar.

Ich würde mir wünschen, daß die gleichen Maßstäbe, die für autochthone Gruppen angewendet werden und Kultur- und Sprachenvielfalt als Bereicherung bewerten, sodaß totale Assimilation als kontraproduktiv ausscheidet, auch für Zuwanderer bestimmend werden.

Ein "Integrationsvertrag", der diesen Namen wirklich verdient, müßte demnach auf Belohnungen - wie vorzeitige Einbürgerung oder Aufenthaltsverfestigung - setzen und nicht mit Sanktionen drohen.

Besonderer Handlungsbedarf besteht meiner Meinung nach zudem, was die rechtliche Situation der Frauen betrifft, ebenso den Zugang zum Arbeitsmarkt und die Niederlassungsbestimmungen. Bei der jetzigen Gesetzeslage ist nämlich eine extreme Abhängigkeit von den Partnern vorhanden.

Mich - als ein aus dem arabischen Raum stammender Österreicher - hat immer begeistert, daß die dort lebenden Christen oftmals noch die aramäische Sprache - die Sprache Jesu - beherrschen und auch in ihrem Alltag neben dem Arabischen verwenden. Wahrscheinlich deshalb, weil sie seinerzeit auf keinen Integrationsvertrag in dieser Form eingehen mußten.

 Die Meinung eines Gastautors muß sich nicht mit jener der "Presse" decken

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