Der neue ORF-Publikumsrat - Spiegelbild der Gesellschaft? 06.09.2001

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Der neue ORF-Publikumsrat - Spiegelbild der Gesellschaft?
 
rbr 06.09.2001
 
 

OMAR AL-RAWI GASTKOMMENTAR Der neue ORF-Publikumsrat - Spiegelbild der Gesellschaft? Der Autor ist der Integrationsbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich.

 Rundfunk und Fernsehen spielen als vielschichtige Informationsträger unbestritten eine wesentliche Rolle bei der Integration von Ausländern. Gleichzeitig tragen sie durch das journalistische Ziel einer differenzierten Berichterstattung, frei von Klischees und Vorurteilen, eine große Verantwortung für ein friedliches Miteinander der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen. Die grundsätzlich veränderten Bedingungen am Mediensektor stellen durch das sehr verbreitete Satellitenfernsehen und das Internet eine große Konkurrenz für die öffentlich-rechtlichen Sender in Österreich dar. Informationen über die Ursprungsländer werden per Satellit oft viel stärker konsumiert als die Sendungen des ORF, und das Wissen über die frühere Heimat ist entsprechend größer als über die neue Heimat Österreich. Dies führt dazu, daß bei jenen, die einer Minderheit angehören, die Tendenz steigt, sich in Österreich nicht angesprochen zu fühlen, womit sogar eine Entfremdung um sich greift. Die Folgen wiegen aber schwer: Die Aufnahme spezifisch österreichischer Hintergründe wird vermindert, die Sprachkenntnisse können nicht vertieft werden, neue Gesetze und Verordnungen erlangen schwerer Bekanntheit, und die Chance einer persönlicheren Bindung an Österreich wird vertan. Das sehr wichtige Bevölkerungssegment der Migranten gilt es jedoch aus gesellschaftspolitischer Sicht unbedingt zu erreichen. Dies ist eine große Herausforderung, die - ohne allerdings die Beteiligten selbst dabei einzubinden - ein schweres bis überhaupt aussichtsloses Unterfangen bleiben wird. Das neue ORF- Gesetz hat es meiner Meinung nach verabsäumt, in dieser Richtung Akzente zu setzen. Zwar wurde an die autochthonen Volksgruppen gedacht. Wo aber sind die zahlenmäßig großen Volksgruppen der Türken, Jugoslawen, Araber, um nur einige Migrantengruppen zu nennen? Auch ist nicht einzusehen, warum die katholische und die evangelische Kirche a priori einen fixen Startplatz bekommen, während die zweitgrößte in Österreich staatlich anerkannte Religionsgesellschaft, jene der Muslime, nicht dabei ist. Zumal es dringend wünschenswert erscheint, dieser Minderheit die Gelegenheit zu geben, ihre Identität innerhalb des sich herausbildenden "Islams in Europa" öffentlicher zu machen. Einerseits könnte Islamophobie wirksam begegnet werden, andererseits könnte die Bevölkerung auch sensibilisiert werden. Integration darf nicht zum Schlagwort verkommen und geschieht nicht von allein. Man kann sie auch nicht durch Gesetze, Verordnungen, Verträge mit Sanktionen erreichen, vor allem, wenn damit eigentlich Assimilation einseitig gefordert wird. Ich bin überzeugt, daß das gesellschaftliche Klima verbessert werden würde, wenn Minderheiten selbst mehr über ihre spezifisch österreichische Situation zeigen könnten. Letztlich fördert Partizipation die schon vorhandene Identifikation mit Österreich und kann im Bereich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks dazu beitragen, den ORF als Sender erster Wahl gegenüber der Konkurrenz per Satellit aus den Ursprungsländern fix zu etablieren. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel könnte dem bei der Auswahl der 17 von ihm zu entsendenden Publikumsräte Rechnung tragen. Doch es erscheint eine baldige Novelle des ORF-Gesetzes notwendig zu sein. Muslime stellen die zweitgrößte Religionsgemeinschaft, sind aber im Publikumsrat ausgeschlossen.

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