Der Standard-Moscheen sind keine Symbole der Intoleranz

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Der Standard" vom 25.03.2008                             Seite: 22
Ressort: KDA

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Moscheen sind keine Symbole

der Intoleranz

Moscheebauten zu verhindern, verstößt nicht nur gegen die Freiheit der Religionsausübung, sondern auch gegen den Gleichheitsgrundsatz, das Diskriminierungsverbot, sowie gegen den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz. Zusätzlich würde es die Europäischen Konvention der Menschenrechte, die Österreich ratifiziert hat, verletzen. Hans Rauscher weist in seiner Standard-Kolumne vom 22. 3. mit Recht auf die Problematik hin, die manche Zuwanderer in Bezug auf ihre ethnischen Loyalitäten haben. Doch damit die Ablehnung "europäischer Werte" zu suggerieren, kann ich nicht ganz nachvollziehen. In diesem Kontext möchte ich gerne auf eine vor kurzem veröffentlichte Gallup-Langzeit-Untersuchung hinweisen, die auf der Basis von 50.000 Interviews den vielfach angenommenen, grundlegenden Gegensatz im Denken von Muslimen und Bürgern westlicher Gesellschaften nicht bestätigte. In entscheidenden Fragen herrschte vielmehr weitgehend Übereinstimmung: So würde etwa der Studie zufolge die große Mehrheit der Muslime "die Meinungsfreiheit durchsetzen, wenn sie eine neue Verfassung schreiben könnte". Überraschend erscheint auch die Haltung zur Gleichberechtigung der Geschlechter. Die Mehrheit der Befragten im Iran, Saudi-Arabien und Indonesien befürworten gleiche Rechte für Männer und Frauen. Gewaltsame Konfrontationen werden mehrheitlich abgelehnt. Viele Befragte artikulierten aber auch, dass die Tatsache, dass ihr Glaube vom Westen nicht respektiert wird, zu den Dingen zählt, die sie am meisten am Westen stören.

Im Übrigen gibt es in vielen islamischen Ländern wie Syrien, Ägypten, Indonesien oder dem Irak seit jeher Kirchen, die als solche erkennbar sind (mit Kreuz und Glockenturm). In den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden jüngst fünf Kirchen auf Staatskosten errichtet, im Golfstaat Katar vorigen Monat eine neue katholische Kirche eingeweiht, und sogar in Saudi-Arabien gibt es nach dem Besuch des Königs Abdullah beim Papst Hinweise, dass sich die rigide Haltung langsam erweicht. Es wäre angesichts solch positiver Entwicklungen traurig, wenn gerade Österreich, das als europäisches Modell im Umgang mit dem Islam gilt, sich von Populisten à la Jörg Haider oder konservativen Bischöfen des "Opus Dei" beeinflussen ließe und das allgemeine Menschenrecht auf Religionsfreiheit für muslimische Bürger dieses Landes einschränken würde. Gott sei Dank war die klare Haltung des Wiener Kardinals Schönborn unmissverständlich.

Omar Al-Rawi, Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich .

Bild: Keine "Machtdemonstration", sondern moderne Kunst: christlicher Bildstock in Möllbrücke/Kärnten

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