Fortsetzung der Kreutzzüge mit anderen Mitteln? Kommentar von Omar Al-Rawi 11.2016

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Replik auf Kommentar Professor Körtner im Standard
Fortsetzung der Kreutzzüge mit anderen Mitteln?

Omar Al-Rawi

Jawohl Voraussetzung jedes Dialogs sind wechselseitiger Respekt der Gesprächspartner und gleiche Spielregeln für alle, und keine Tabus.
Den Zitat den der Papst verwendet hat war ja im Grunde eine Dialogveranstaltung zwischen den byzantinischen Kaisers Manuel II. Paleologos und einen Islamischen Gelehrten, welche im übrigen nicht in privatem Rahmen, sondern in einer Art Kamingespräche öffentlich in der Residenzstadt Ankara  stattfand wo die beiden sich gegenseitig auch nichts geschenkt haben. Interessant ist warum der Papst den Islamischen Gelehrten in seiner Rede nicht zu Wort kommen lies? Und ihn nicht zitiert hat? Also im Sinne von gleichen Spielregeln wäre es das mindeste dies zu tun. Auch blieb der Welt und allen Zuhörern in Regensburg die Tatsache enthalten, dass dieser Dialog in Islamischer Umgebung am Hofe des Osmanischen Sultans stattgefunden hat und damit der Beweis, dass der byzantinischen Kaisers, der bereits Vasall des Sultans war, wegen seiner Meinung und scharfer Kritik nichts passiert ist. Auch wurde gar nicht versucht ihn mit dem Schwert zu bekehren. sondern durch Dialog und Überzeugung. Im Übrigen hat Manuel II an seinem Sterbebett seinem Sohn den Rat gegeben, alles tun zu dürfen außer eines, sich Rom und den Papst zu unterwerfen. Wohl aus leidvollen Erfahrungen der ersten Kreutzzüge, die Konstantinopel verwüstet haben?
Ein Mindestmaß an Kenntnis der Religion des Dialogpartners wäre schon von Vorteil. Das verwenden von falschen Begriffen wie „Heiliger Krieg“ für den „Djihad“ sollte auch den Papst bereits bekannt sein, dass es hier um eine komplett falsche Metapher handelt. Auch eine kurze Recherche über die Suren des Korans hätte jeder Laie gewusst, dass der bekannte Vers in der Sure 2:257 : "Kein Zwang in Glaubenssachen" nicht wie auch von Prof. Körtner behauptet aus einer Zeit stammt, in der Mohammed selbst noch machtlos und bedroht war. Es gilt als Konsens, dass die zweite Sure in Medina offenbart wurde, also zu jener Zeit als der Prophet und die Muslime einen Staat etabliert hatten und nicht mehr machtlos waren. Die Reihenfolge der Suren im Koran entsprechen nicht deren chronologischer Offenbarung. Dieser Koran fordert auch die Muslime dutzendfach dazu auf, zur Mehrung ihres Wissens und ihren Verstand zu nutzen. „Habt ihr denn keinen Verstand?“(2:44) „Habt ihr denn nicht gesehen...?“ (31:20), „Wollt ihr denn nicht nachdenken?“ (6:50). So viel nur in Kürze zu der Vorlesung über "Glaube, Vernunft und Universität".
Selbstverständlich haben koranische Vorschriften oder die Scharia für überzeugte Christen oder andere Nichtmuslime keine Geltung. Die Feststellung von Prof. Körtner  „Wer aber von der Wahrheit des christlichen Glaubens überzeugt ist, wird weder Mohammed für einen sakrosankten Propheten noch den Koran für eine göttliche Offenbarung halten“ verbirgt einen Teil des Problems. Denn einerseits hat das zweite Vatikanische Konzil seine Hochachtung gegenüber den Muslime zum Ausdruck gebracht *, dies erscheint aber im Wiederspruch dazu, dass man ihren heiliges Buch die göttliche Offenbarung abspricht. Auch hat die Katholische Kirche seit den sechziger Jahren es penibel vermieden sich zum Propheten Mohammed trotz der Annerkennung des Islam als Religion, zu äußern, Stellung zu beziehen oder ihn gar zu erwähnen. Auf der anderen Seite erwarten dies, aus Gründen der Reziprozität, die Muslime, die sowohl Jesus als Gesandten Gottes anerkennen als auch sein Buch als göttliche Offenbarung betrachten.
Der Papst hat es verabsäumt sein Zitat zu relativieren, es nicht als seine Meinung deutlich darzustellen und den historischen Kontext des Mittelalters zu unterstreichen. Damit blieb ein leiser Verdacht, dass er sich hinter einen Zitat versteckt hat. 
Die Muslime haben vergessen, das ihr heiliges Buch der Koran in mehreren Versen, Zitaten von Andersgläubigen, Apostaten, Heuchler, Atheisten, Gegner  und Feinden des Propheten zitiert, die auch im Koran den Propheten beleidigt und angegriffen haben. Somit hat er für die Nachwelt ein Manifest für Meinungsfreiheit geliefert und durch das Beantworten ihrer Vorwürfe einen Weg gezeigt, wie man damit umgehen soll. Nämlich durch Dialog, den wir gewiss nicht als Fortsetzung des Djihads mit anderen Mitteln sehen. Denn den  Djihad wie sie es verstehen als „Heiliger Krieg“ kennen wir nicht.
Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi
Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich und Mitbegründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen.
 
**Wissen**
hier wird Abraham, Jesus aber nicht Mohammad erwähnt 
Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde
 (5), der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten. Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.
  

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