Islamophobie - Replik auf Hans Rauscher im Standard

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Islamophobie 


Kommentar von Omar Al-Rawi

  
Selbstverständlich müssen auch wir Muslime uns von fehlgeleiteten Tendenzen in eigenen Reihen und radikalem Gedankengut befreien und emanzipieren. Islamophobie aber nur auf den „klassischen“ Bereich des Rassistischen und Fremdenfeindlichen zu reduzieren, entspricht nicht ganz der Tatsache. Überall wo man mit Klischees, Verallgemeinerungen und Vorurteilen agiert ist man nicht weit davon. Problematisch wird es, wenn staatliche Institutionen davon betroffen scheinen. Wenn in Baden Württemberg muslimische Anwärter auf die deutsche Staatsbürgerschaft anders behandelt werden als Nicht-Muslime, dann hat diese Ungleichbehandlung schon mit der religiösen Zugehörigkeit zu tun. Wenn in deutschen Schulen LehrerInnen mit großen Schmuckkreuzen, einer Kippa oder Nonnentracht unterrichten dürfen, aber nicht mit einem Kopftuch, dann sind nun mal nur Muslime betroffen. Wenn eine Pharmazeutin in Österreich ihr Studium mit Auszeichnung absolviert und seit zwei Jahren auf einen Platz für ihr Aspirantenjahr wartet, um Ihre Ausbildung abzuschließen und keine Chance wegen ihres Kopftuches bekommt, wird es der Emanzipation der muslimischen Frau nicht gerade dienlich sein. Heute ist es schon ein Politikum eine Moschee errichten zu wollen. Ob in Telfs oder in Bad Vöslau feilscht man um Zentimeter, die ein Minarett an Höhe haben darf. Auf den in Bau befindlichen islamischen Friedhof in Wien wurde in den letzten sechs Monate Schändungen, Sachbeschädigungen und ein Brandanschlag verübt. Dies sind alarmierende Zeichen, die nicht nur im Bereich der subjektiven Empfindungen der Muslime und ihres „Gefühl des Beleidigtwerdens“ zu qualifizieren sind. 
Wenn schließlich rechtspopulistische Parteien ihr ganzes politisches Programm auf „Pummerin statt Muezzin“ und „Daham statt Islam“ ausrichten, dann liegt nicht nur Fremdenfeindlichkeit vor, sondern ganz bestimmt Islamophobie. Hans Rauscher hat Recht, dass die Muslime keine Opfer einer religiösen Verfolgung durch die Mehrheitsbevölkerung sind. Dies bedeutet aber lange nicht, dass so ein Phänomen nicht existiert. Und macht Islamophobie dadurch auch nicht zum Kavaliersdelikt. 
  
Dipl. Ing. Omar Al-Rawi
Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich 
Mitbegründer der Initiative Muslimischer ÖsterreicherInnen.
 


    Selbstverständlich müssen auch wir Muslime uns von fehlgeleiteten Tendenzen in eigenen Reihen und radikalem Gedankengut befreien und emanzipieren. Islamophobie aber nur auf den „klassischen“ Bereich des Rassistischen und Fremdenfeindlichen zu reduzieren, entspricht nicht ganz der Tatsache. Überall wo man mit Klischees, Verallgemeinerungen und Vorurteilen agiert ist man nicht weit davon. Problematisch wird es, wenn staatliche Institutionen davon betroffen scheinen. Wenn in Baden Württemberg muslimische Anwärter auf die deutsche Staatsbürgerschaft anders behandelt werden als Nicht-Muslime, dann hat diese Ungleichbehandlung schon mit der religiösen Zugehörigkeit zu tun. Wenn in deutschen Schulen LehrerInnen mit großen Schmuckkreuzen, einer Kippa oder Nonnentracht unterrichten dürfen, aber nicht mit einem Kopftuch, dann sind nun mal nur Muslime betroffen. Wenn eine Pharmazeutin in Österreich ihr Studium mit Auszeichnung absolviert und seit zwei Jahren auf einen Platz für ihr Aspirantenjahr wartet, um Ihre Ausbildung abzuschließen und keine Chance wegen ihres Kopftuches bekommt, wird es der Emanzipation der muslimischen Frau nicht gerade dienlich sein. Heute ist es schon ein Politikum eine Moschee errichten zu wollen. Ob in Telfs oder in Bad Vöslau feilscht man um Zentimeter, die ein Minarett an Höhe haben darf. Auf den in Bau befindlichen islamischen Friedhof in Wien wurde in den letzten sechs Monate Schändungen, Sachbeschädigungen und ein Brandanschlag verübt. Dies sind alarmierende Zeichen, die nicht nur im Bereich der subjektiven Empfindungen der Muslime und ihres „Gefühl des Beleidigtwerdens“ zu qualifizieren sind. Wenn schließlich rechtspopulistische Parteien ihr ganzes politisches Programm auf „Pummerin statt Muezzin“ und „Daham statt Islam“ ausrichten, dann liegt nicht nur Fremdenfeindlichkeit vor, sondern ganz bestimmt Islamophobie. Hans Rauscher hat Recht, dass die Muslime keine Opfer einer religiösen Verfolgung durch die Mehrheitsbevölkerung sind. Dies bedeutet aber lange nicht, dass so ein Phänomen nicht existiert. Und macht Islamophobie dadurch auch nicht zum Kavaliersdelikt.   Dipl. Ing. Omar Al-RawiIntegrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich Mitbegründer der Initiative Muslimischer ÖsterreicherInnen. 

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