Swoboda lud zu Dialog zwischen Ramadan und Stiller Nacht 2001

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Swoboda lud zu Dialog zwischen Ramadan und Stiller Nacht 2001

        Wien (SK) "Ich bin froh, dass es in Österreich die

gesetzliche Anerkennung der Muslime gibt, aber das genügt noch nicht.

Wir müssen in einem positiven Sinn akzeptieren, dass wir viele

BewohnerInnen mit muslimischen Glauben haben", erklärte

SPÖ-EU-Delegationsleiter Hannes Swoboda Freitag bei einem Gespräch

unter dem Titel "Zwischen Ramadan und Stiller Nacht", zu dem er

Gemeinderatsabgeordnete Nurten Yilmaz, Omar Al-Rawi von der

Arbeitsgemeinschaft Islam und Sozialdemokratie, Aziz Gülüm vom Wiener

Integrationsfond und Carla Amina Baghajati von der Initiative

muslimischer Österreicherinnen und Edith Schlaffer vom

Boltzman-Institut für Politik und zwischenmenschliche Beziehungen

geladen hatte. Swoboda betonte, dass die wesentlichen

Auseinandersetzungen im Islam selbst stattfänden, da sich Österreich

einer religiösen Ausrichtung in der einen oder anderen Richtung

großteils enthalte. ****

        Der Islam sei ein festgefügtes religiöses Gebäude, das

Christentum könne oft als karitative Weltanschauung gelten. Ein

offenes Bekenntnis zu einem laizistischen Staat sei nicht in dem

Ausmaß wie beim Christentum vorhanden, was einige Schwierigkeiten mit

sich bringe, so Swoboda.

        Gülüm sagte, das Thema Islam sei in den Medien leider negativ

besetzt, obwohl Fundamentalismus nicht nur mit dem Islam zu

diskutieren sei. Mit den Klischees in den österreichischen Medien

würde die Ausländerfeindlichkeit genährt. "Viel aus dem Islam wird

leider instrumentalisiert", beklagte Gülüm.

        Baghajati betonte die Notwendigkeit der Gleichberechtigung

der Dialogpartner. Man dürfe keine Gespräche über die Köpfe der

Betroffenen hinweg führen, die sich selbst äußern müssten. Der Dialog

müsse außerdem für beide Seiten fruchtbar sein. Baghajati zeigte sich

erfreut über die Anerkennung der muslimischen Religion in Österreich,

die jetzt in der zweiten und dritten Generation keine

Gastarbeiterreligion mehr sei. "Frauen müssen sichtbar gemacht

werden, indem man die Frauenrechte diskutiert."

        Yilmaz forderte einen Dialog nicht nur vom Gastgeberland

Österreich, sondern auch von muslimischer Seite, wo man kaum etwas

über die "christliche Welt" wisse. "Das Informationsdefizit muss auf

beiden Seiten aufgehoben werden." Neben der gesetzlichen

Gleichberechtigung seien

Differenzen vorhanden, was keine Rolle spiele, solange diese nicht

ausgenützt würden, meinte Yilmaz.

        Al-Rawi forderte einen offenen Dialog ohne Berührungsängste

und mit möglichst wenig Vorurteilen. Man müsse den anderen in seiner

historischen, sozialen und psychischen Situation verstehen, denn am

Dialog führe kein Weg vorbei. Es gebe ein weites Spektrum für die

Anliegen der muslimischen Bevölkerung, das auch politisch vertreten

werden müsse, so Al-Rawi.

        Schlaffer berichtete von der Unterstützung der Frauen in

Afghanistan, wo ein kleines Modellprojekt für Frauen stattfinde. Die

Frauen seien abhängig von der Unterstützung im Westen und wollten

jetzt einen säkularisierten Staat, in dem Religion Privatsache sei.

"In Wien wird jetzt die Plattform 'Frauen ohne Grenzen' gegründet,

die sich internationalisieren wird. Die Frauen in Afghanistan sind

sehr mutig, aber auch mit der neuen Regierung sind ihre Probleme

alles andere als gelöst."

        Integrationsstadträtin Renate Brauner erklärte, der

angesprochene Dialog werde in Wien freundschaftlich, offen und

ehrlich diskutiert. Es gehe um das Aufeinanderzugehen und nicht um

einen Integrationsvertrag, der tatsächlich ein Assimilationsdiktat

sei und vor dem die Menschen nur Angst hätten. Brauner forderte für

ein Funktionieren der Gesellschaft und der Demokratie gleiche Rechte

und Pflichten für alle Seiten, dazu zähle auch das Wahlrecht für

Zuwanderer. "Integration kann nur von beiden Seiten funktionieren."

Brauner eröffnete gleichzeitig eine Ausstellung von Hannes Swoboda

mit Fotos von seinen Reisen in die islamische Welt und seinen Bildern

in Acryl. Dabei betonte Brauner den wertvollen künstlerischen Blick

auf das Andere mit Sensibilät und Neugier. Abschließend gab es

Spendenaufrufe von mehren Seiten für die afghanische Fraueninitiative

RAWA, die sich gegen die verbrecherische Politik fundamentalistischer

und ultrafundamentalistischer Taliban richtet. (Schluss) ts

Rückfragehinweis: Pressedienst der SPÖ

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