Christ und Muslim "politisch engagiert aus dem Glauben heraus"

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Christ und Muslim "politisch engagiert aus dem Glauben heraus"

Alt-Vizekanzler Riegler und Wiener Landtagsabgeordneter Al-Rawi bei Gesprächsabend im Wiener Afro-Asiatischen Institut

23.10.2014

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Wien, 23.10.2014 (KAP) Sich auf der Grundlage des eigenen Glaubens politisch zu engagieren bedeutet, sich konkret für soziale Fairness, Chancengleichheit und auch achtsamen Umgang mit der Umwelt einzusetzen. Das ging aus den Stellungnahmen von einem ehemaligen christlichen Spitzenpolitiker - Alt-Vizekanzler Josef Riegler - und einem aktiven islamischen Landespolitiker - dem Wiener Landtagsabgeordneten Omar Al-Rawi - bei einer Podiumsdiskussion im Afro-Asiatischen Institut in Wien hervor. Der Titel des Abends: "Politisch engagiert aus dem Glauben heraus".

Während seines politischen Wirkens habe ihn seine christliche Prägung "nicht verlassen", erklärte der frühere ÖVP-Chef und jetzige Ehrenpräsident des Ökosozialen Forums, Josef Riegler. Er habe versucht, immer wieder in Richtung soziale Gerechtigkeit Akzente zu setzen, auf der Basis eines Menschenbildes, das Würde unabhängig von beruflicher oder politischer Orientierung zuspricht.
  
Als Landwirtschaftsminister sei es sein Ziel gewesen, wirtschaftlich leistungsfähiger, sozial ausgewogener und ökologisch verantwortungsvoll zu werden. Aus diesem "Dreiklang" sei das Kürzel "ökosozial" entstanden, das Riegler zum Modell der "ökosozialen Marktwirtschaft" weiterentwickelt habe.
  
Seit seinem Ausscheiden aus der Bundespolitik im Jahr 1992 habe er sein Engagement vor allem auf das von ihm gegründete Ökosoziale Forum verlagert. Freilich sei seit 1995 mit der globalisierten Ökonomie eine heftige Gegenströmung über alle hereingebrochen. Riegler beschrieb den Vorgang als "Paradigmenwechsel weg vom europäischen Verständnis einer sozialen Marktwirtschaft hin zum US-Model einer kurzfristigen, vom Profit getriebenen, kapitalistischen Ökonomie". Das habe im Denken der Menschen tiefe Spuren hinterlassen.
  
Das Ökosoziale Forum versuche hier gegenzusteuern, die zivilgesellschaftliche Initiative trage mittlerweile internationale Früchte, freute sich Riegler. Die wirklich brennenden Themen seien ohnehin nur grenzüberschreitend und gemeinsam bewältigbar, egal ob es sich um Klimawandel, Flüchtlingsströme, Spekulantentum oder steuerschonend agierende Weltkonzerne handle. Auch das Problem von Terrorregimes und -milizen sei nur durch Kooperation der Staatengemeinschaft zu bewältigen, meinte Riegler. Alle Religionen und Glaubensgemeinschaften müssten sich hier mit ihrem "ethischen Schatz" einbringen und einen "gemeinsamen Nenner" suchen, so der Altpolitiker.
  
Spiritualität und soziale Sensibilität
  
Der Wiener SP-Landtagsabgeordnete und Integrationsbeauftragte der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Al-Rawi, betonte, Glaube erfordere neben Spiritualität ("Wenn ein Mensch keine Spiritualität findet, wüsste ich nicht, was an Glauben da ist") vor allem soziale Sensibilität, konkretisierbar etwa durch Einsatz für faire Umverteilung. Den Sozialstaat lobte der Muslim als eine der größten Errungenschaften des 20. Jahrhunderts. Ein Miteinander sei trotzdem zu wenig: "Wir brauchen ein Füreinander."
  
Scharfe Kritik übte Al-Rawi an der freiheitlichen Partei, mit deren Aufstieg in den 1990er-Jahren auch die religiöse Hetze Teil der Politik geworden sei. Er selbst habe als Person mit Migrationshintergrund nie Probleme gehabt, meine aber, dass es nicht genüge, es selbst geschafft zu haben und der Gesellschaft nichts zurückzugeben. Viele potenzielle "Role-Models" ließen diese Haltung vermissen, bedauerte Al-Rawi. Seine Überzeugung sei immer gewesen, dass es eine legitime Vielfalt gibt: "Man kann zugleich ein Wiener, ein Europäer und ein Moslem sein."
  
O-Töne von der Veranstaltung sind in Kürze unter 
www.kathpress.at/audio abrufbar.

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