Der biblische Exodus lässt den Westen kalt

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Der biblische Exodus lässt den Westen kalt


In Mossul werden die Christen vertrieben.
Die Welt scheint politisch wie moralisch aus den Fugen zu geraten. Nach tagelangem Raketenbeschuss von Tel Aviv und anderen Städten startet Israel eine Bodenoffensive und geht dabei wenig zimperlich vor. Verstümmelte Kinder werden als bedauernswerter Kollateralschaden einer unausweichlichen Militäroperation gegen die radikale Hamas abgetan, die in ihrem menschenverachtendem Fanatismus die Raketenstellungen und Tunnelsysteme mitten in den Wohngebieten errichtet hat. Auf beiden Seiten ist der Wille, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen, nicht da.
Mit welcher Kaltschnäuzigkeit sich die Rebellen unter tatkräftiger russischer Mithilfe die Ostukraine unter den Nagel gerissen haben, war beachtlich. Nun haben die Separatisten die Grenzen der Pietät überschritten, sofern es Pietät in einem Krieg geben kann. Der würdelose Umgang mit den Toten aus der abgeschossenen Maschine lässt die Rebellen als Unmenschen erscheinen.
Und das: In den letzten Tagen sind Fotos aufgetaucht, die an die NS-Zeit anknüpfen. Im irakischen Mossul wurden die Häuser von Christen von den islamistischen IS-Kämpfern rot markiert. Nach Ablauf eines Ultimatums sind die letzten Christen nun aus Mossul, immerhin eine der ältesten christlichen Gemeinden in Nahost, geflohen. Die Fundis hatten die Christen vor die Wahl gestellt: Konvertieren, Flucht oder Tod.
Während sich in unserer saturierten Gesellschaft die Kirchen leeren, riskieren in Teilen des Nahen Osten die Christen ihr Leben, selbst wenn die ihren Glauben nicht praktizieren. Die Dschihadisten haben es nicht gezielt auf Christen, sondern auf alle Minderheiten und Andersgläubigen abgesehen. Daraus einen zivilisatorischen Konflikt zwischen Christentum und Islam abzuleiten, entspringt dem Weltbild eines christlichen Fundis.
Vielleicht ist es bezeichnend, wer in Österreich als Erster den Exodus verurteilt hat - nicht Fischer, der nie müde wird, die Einhaltung der Menschenrechte einzufordern, nicht die ÖVP, die angeblich auf christlichen Grundwerten fußt, nicht Strache, der mit dem Kreuz in der Hand Politik macht. Der moslemische Gemeinderat Omar al Rawi und seine Ex-Kollegen Sirvan Ekici schlugen Alarm - und beschämten so alle "christlichen Politiker".
Ob die Welt heute eine schlechtere ist? Wohl kaum. Anders als früher liefern uns TV und soziale Medien jede Barbarei in Echtzeit ins Wohnzimmer oder aufs Handy. Jedenfalls wird der Glaube an den zivilisatorischen Fortschritt der Menschheit 100 Jahre nach 1914 erschüttert.
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