Die Presse - Wien-Wahl: Das Buhlen um die Migranten-Communitys

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Wien-Wahl: Das Buhlen um die Migranten-Communitys

12.09.2009 | 18:04 |  von Erich Kocina (Die Presse)
Gerade in Vorwahlzeiten beginnen sich Politiker für die Bevölkerungsgruppen ausländischer Herkunft zu interessieren. Warum SP-Gemeinderat Omar Al-Rawi Türkisch und VP-Stadtrat Norbert Walter Kroatisch lernt.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
Es sind oft kleine, symbolische Gesten – aber oft kommt es eben genau auf die an. Gemeint sind die Versuche von Politikern, Migranten-Communitys in ihrer Sprache anzusprechen. Wenn etwa SP-Gemeinderat Omar Al-Rawi Türkisch lernt, ist das ein klares Zeichen, in der türkischstämmigen Bevölkerung präsenter sein zu wollen.

   

Ein schon allein aus wahltaktischer Sicht absolut sinnvolles Unterfangen – allein in Wien leben laut Statistik Austria rund 29.000 potenzielle Wähler mit Geburtsland Türkei, deren in Österreich geborene Kinder noch gar nicht eingerechnet. Insgesamt wird das Potenzial auf 40.000 bis 60.000 Wähler geschätzt. Und nächstes Jahr wird gewählt in der Bundeshauptstadt.
„Es gibt viele Veranstaltungen, bei denen ich wenig bis gar nichts verstehe“, sagt Al-Rawi. Einmal etwa, bei einem Termin mit dem türkischen Verein Atib – „Ich habe mir gedacht, der Dolmetscher merkt sich aber viel.“ Allein, der hatte gedacht, dass der gebürtige Iraker und Integrationsbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft dem Vortrag folgen könnte. „Irgendwann hat er sich dann vorgebeugt und gemeint, wenn ich irgendetwas nicht verstehe, soll ich es ihm einfach sagen.“
Seit April besucht Al-Rawi deshalb einen Türkischkurs bei der Österreichischen Orient-Gesellschaft, eine Stunde pro Woche. „Ich will so weit kommen, dass ich Small Talk führen kann“, sagt er. Und kontrollieren können, ob Übersetzer seine Worte annähernd richtig wiedergeben. Dass er sich damit an die türkische Community anbiedern und um Stimmen buhlen will, bestreitet er: „Ich bin in der türkischen Community schon ziemlich verankert.“ Was er allerdings nicht bestreitet: „Natürlich bringt das politische Synergien, weil dort mein größtes Wählerpotenzial liegt.“

Keine Reden, aber Small Talk. Ähnlich geht es VP-Stadtrat Norbert Walter: „Sprachen zu lernen hilft dabei, sich in der Welt zu bewegen.“ Und da in Wien eben sehr viel Serbokroatisch gesprochen wird, kam Walter auf die Idee, Kroatisch zu lernen. In einem Sprachinstitut und gemeinsam mit einem Native Speaker trainiert er seit rund einem Jahr. „Man hat einen Mehrnutzen davon“, meint er. Eine Rede auf dem Viktor-Adler-Markt ist zwar noch lange nicht drin, aber ein bisschen Kommunikation ist auf jeden Fall möglich – „mit Händen und Füßen als Hilfe geht es schon“.

Politpräsenz in den Communitys. Dass die Politik die Migranten als Zielgruppe entdeckt, ist üblicherweise vor allem ein Phänomen der Wahlkampfzeit. Mit eigenen Kandidaten aus den Communitys und fremd- bzw. mehrsprachlichem Werbematerial wird vor allem auf Stimmen von türkischstämmigen und Wählern aus Ex-Jugoslawien gesetzt.
Dazu gehört auch die Teilnahme an Veranstaltungen aus den einzelnen Communitys. „Es ist wichtig, Präsenz zu zeigen“, sagt Sirvan Ekici, türkischstämmige Abgeordnete der Wiener ÖVP. Und so gehört die Teilnahme von Politikern – vor allem rund um Wahlen – zum Pflichtprogramm. Ganz zufällig dürfte es jedenfalls nicht gewesen sein, dass Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel im April, mitten im AK-Wahlkampf, zu einer türkischen Feier zum Geburtstag des Propheten Mohammed in der Stadthalle erschien und dort – mit türkischen Untertiteln versehen – über die Sicherung von Arbeitsplätzen sprach.
Und bei all dem Werben um Stimmen aus ethnischen Communitys spielt Symbolik wieder eine große Rolle – so wie etwa das orthodoxe Gebetsband (Brojanica) von FP-Chef Heinz-Christian Strache, das ihm Sympathien aus dem serbischen Lager bringen sollte. Mit rund 36.000 in Serbien geborenen Österreichern allein in Wien schlummert auch hier ein großes Wählerpotenzial – und dabei sind deren in Österreich wahlberechtigte Kinder noch nicht mit eingerechnet. Dieses Potenzial wird sich nicht nur mit eindeutigen politischen Ansagen für sich gewinnen lassen, sondern auch mit kleinen symbolischen Gesten. Und genau auf die kommt es eben oft an.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2009)

(c) Die Presse (Clemens Fabry)Es sind oft kleine, symbolische Gesten – aber oft kommt es eben genau auf die an. Gemeint sind die Versuche von Politikern, Migranten-Communitys in ihrer Sprache anzusprechen. Wenn etwa SP-Gemeinderat Omar Al-Rawi Türkisch lernt, ist das ein klares Zeichen, in der türkischstämmigen Bevölkerung präsenter sein zu wollen.Ein schon allein aus wahltaktischer Sicht absolut sinnvolles Unterfangen – allein in Wien leben laut Statistik Austria rund 29.000 potenzielle Wähler mit Geburtsland Türkei, deren in Österreich geborene Kinder noch gar nicht eingerechnet. Insgesamt wird das Potenzial auf 40.000 bis 60.000 Wähler geschätzt. Und nächstes Jahr wird gewählt in der Bundeshauptstadt.„Es gibt viele Veranstaltungen, bei denen ich wenig bis gar nichts verstehe“, sagt Al-Rawi. Einmal etwa, bei einem Termin mit dem türkischen Verein Atib – „Ich habe mir gedacht, der Dolmetscher merkt sich aber viel.“ Allein, der hatte gedacht, dass der gebürtige Iraker und Integrationsbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft dem Vortrag folgen könnte. „Irgendwann hat er sich dann vorgebeugt und gemeint, wenn ich irgendetwas nicht verstehe, soll ich es ihm einfach sagen.“Seit April besucht Al-Rawi deshalb einen Türkischkurs bei der Österreichischen Orient-Gesellschaft, eine Stunde pro Woche. „Ich will so weit kommen, dass ich Small Talk führen kann“, sagt er. Und kontrollieren können, ob Übersetzer seine Worte annähernd richtig wiedergeben. Dass er sich damit an die türkische Community anbiedern und um Stimmen buhlen will, bestreitet er: „Ich bin in der türkischen Community schon ziemlich verankert.“ Was er allerdings nicht bestreitet: „Natürlich bringt das politische Synergien, weil dort mein größtes Wählerpotenzial liegt.“Keine Reden, aber Small Talk. Ähnlich geht es VP-Stadtrat Norbert Walter: „Sprachen zu lernen hilft dabei, sich in der Welt zu bewegen.“ Und da in Wien eben sehr viel Serbokroatisch gesprochen wird, kam Walter auf die Idee, Kroatisch zu lernen. In einem Sprachinstitut und gemeinsam mit einem Native Speaker trainiert er seit rund einem Jahr. „Man hat einen Mehrnutzen davon“, meint er. Eine Rede auf dem Viktor-Adler-Markt ist zwar noch lange nicht drin, aber ein bisschen Kommunikation ist auf jeden Fall möglich – „mit Händen und Füßen als Hilfe geht es schon“.Politpräsenz in den Communitys. Dass die Politik die Migranten als Zielgruppe entdeckt, ist üblicherweise vor allem ein Phänomen der Wahlkampfzeit. Mit eigenen Kandidaten aus den Communitys und fremd- bzw. mehrsprachlichem Werbematerial wird vor allem auf Stimmen von türkischstämmigen und Wählern aus Ex-Jugoslawien gesetzt.Dazu gehört auch die Teilnahme an Veranstaltungen aus den einzelnen Communitys. „Es ist wichtig, Präsenz zu zeigen“, sagt Sirvan Ekici, türkischstämmige Abgeordnete der Wiener ÖVP. Und so gehört die Teilnahme von Politikern – vor allem rund um Wahlen – zum Pflichtprogramm. Ganz zufällig dürfte es jedenfalls nicht gewesen sein, dass Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel im April, mitten im AK-Wahlkampf, zu einer türkischen Feier zum Geburtstag des Propheten Mohammed in der Stadthalle erschien und dort – mit türkischen Untertiteln versehen – über die Sicherung von Arbeitsplätzen sprach.Und bei all dem Werben um Stimmen aus ethnischen Communitys spielt Symbolik wieder eine große Rolle – so wie etwa das orthodoxe Gebetsband (Brojanica) von FP-Chef Heinz-Christian Strache, das ihm Sympathien aus dem serbischen Lager bringen sollte. Mit rund 36.000 in Serbien geborenen Österreichern allein in Wien schlummert auch hier ein großes Wählerpotenzial – und dabei sind deren in Österreich wahlberechtigte Kinder noch nicht mit eingerechnet. Dieses Potenzial wird sich nicht nur mit eindeutigen politischen Ansagen für sich gewinnen lassen, sondern auch mit kleinen symbolischen Gesten. Und genau auf die kommt es eben oft an.("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2009)

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