Schwappt der Gaza-Konflikt nach Österreich über?

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Naher Osten - Österreich
Schwappt der Gaza-Konflikt nach Österreich über?

Ö1 Morgenjournal - Markus Müller 
"Israel ist die eigentliche Bestie, Israel ist der Verbrecher!" Das hat der umstrittende Imam Adnan Ibrahim in der Wiener Schura-Moschee gepredigt, berichtet die Tageszeitung "Der Standard". Diese Aussage sorgt nun auch in Österreich für Aufregung. 

Muzicant befürchtet Überschwappen des Konflikts 
Die Israelitische Kultusgemeinde fürchtet jetzt, dass der Konflikt aus Gaza nach Österreich überschwappt, sagt ihr Präsident Ariel Muzicant: 
"Es ist ja bezeichnend für den Konflikt, dass jüdische Einrichtungen in Europa jetzt massiv geschützt werden müssen. Ich glaube nicht, dass irgendeine Moschee bedroht wird oder irgendeine moslemische Institution zu irgendwelchen Schutzmechanismen greifen muss." 

Al-Rawi: "Nur friedliche Demonstrationen" 
Dem wiederpricht der Integrationsbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Omar Al-Rawi, der den im Ausland weilenden Präsidenten Anas Shakfeh vertritt. Die Muslime würden demonstrieren, aber friedlich. Das sei eine Art Ventil, um dem Ärger über das Vorgehen Israels Ausdruck zu verleihen: "Dass es heute in Österreich keinen Anschlag auf eine Synagoge gibt, dass bei den Demonstrationen keine einzige Scheibe zerschlagen wurde, kein einziges Auto gebrannt hat, ist ein Zeichen, dass wir hier keine Gewalt haben." 

Muzicant verlangt Suspendierung des Imams 
In mehreren westeuropäischen Ländern hat es Angriffe auf jüdische Einrichtungen gegeben, in Österreich ist kein solcher Fall dokumentiert, bestätigt Ariel Muzicant. Trotzdem fordert er die Islamische Glaubensgemeinschaft auf, stärker zu deeskalieren. Ein Zeichen dafür sei der Umgang mit dem umstrittenen Imam: "Würde ein Rabbiner innerhalb der jüdischen Gemeindehäuser so sprechen, wie das dieser Imam getan hat, er wäre in dieser Sekunde seinen Job los." 

Al-Rawi bezweifelt Aussagen des Imams 
Omar Al-Rawi sieht das anders. Erstens bezweifelt er, dass diese Aussagen tatsächlich so getätigt worden sind. Zweitens müsse man die persönliche Situation Adnan Ibrahims mit bedenken, der im Gaza-Streifen drei Angehörige verloren hat. Und drittens: Alle Religionsgemeinschaften würden sich immer wieder politisch äußern: "Die Kultusgemeinde positioniert sich dauernd politisch in Richtung Israel. Der Papst hat sich einmal gegen den Irak-Krieg positioniert, Kardinal Schönborn hat sich für die Christen im Irak positioniert." 

Auf den Einwand, dass es ein Unterschied ist, ob man das in seinem Privatleben macht oder ob man das während der Predigt in seiner Rolle als Geistlicher macht, antwortet Omar Al-Rawi mit einer Gegenfrage: "Ich weiß nicht, das ist eine Behauptung. Sind jemals schon Journalisten in eine Synagoge mit Übersetzern gegangen und haben das kontrolliert? Hat man sich wirklich schon einmal in alle Kirchen hineingesetzt?"



Opposition fordert klare Distanzierung
Die Grünen, FPÖ und BZÖ fordern eine klare Distanzierung von den Aussagen des Imams. Auch die Kultusgemeinde fordert Aufklärung. Eines ist allerdings für beide Glaubensgemeinschaften klar: Im Nahostkonflikt vertrete man diametral unterschiedliche Positionen. Das zerstöre nicht die Gesprächsbasis für gemeinsame Probleme in Österreich. 

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