Türkische Fahnen auf der Wiener Kunsthalle

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Für die FPÖ keine Kunst und ein bisschen zu viel Istanbul in Wien: Feridun Zaimoglus Projekt "KanakAttack" im Rahmen der Ausstellung "Islam und Abendland", ab 7. März im Wiener Museumsquartier.

"Wien darf nicht Istanbul werden", schimpft Wiener FPÖ-Chef

Strache ist gegen "türkische Nationaltapete" des Kunstprojekts "KanakAttack" der Kunsthalle Wien - Matt kontert: "Jämmerlicher Status als Haider jr."


Wien - Die Wiener FPÖ macht gegen das Kunstprojekt "KanakAttack" mobil. "Wien darf nicht Istanbul werden", begründete am Montag FP-Obmann Heinz-Christian Strache, in bekannter FPÖ-Städtevergleich-Tradition, seine Ablehnung der Aktion, die ab dem 7. März die Kunsthalle im Museumsquartier mit türkischen Fahnen verhüllen wird. Dabei handle es sich um eine Polit-Provokation "abseits des guten Geschmacks", die vom Steuerzahler mit 40.000 Euro subventioniert werde. Das Projekt des Künstlers Feridun Zaimoglu ist Teil der Ausstellung "Islam und Abendland". Straches Forderung hat heftige Reaktionen von Kunsthallendirektor Matt, SPÖ und Grünen ausgelöst.

Vorwurf, SPÖ fördere Parallelgesellschaften

Istanbul sei eine wunderschöne Stadt und solle ihre Kultur genauso behalten wie Wien. Aber "mir wird Wien schon zu sehr anders", variierte Strache den bekannten Werbespruch "Wien ist anders". Die "anti-österreichische, anti-integrative Agitation" mit der "türkischen Nationaltapete" zeige, dass die Wiener SP-Regierung keine Integration, sondern Parallelgesellschaften fördere.

Matt solle zurücktreten, schlägt Strache vor

Deshalb solle die Umhüllungsaktion ersatzlos gestrichen werden, Kunsthallen-Chef Gerald Matt zurücktreten und das Kontrollamt auf den Plan treten, forderte der FP-Obmann. Auch andere Formen des Protest wollte Strache auf Nachfrage nicht ausschließen: "Wir denken darüber nach und werden das zu gegebener Zeit bekannt geben."

Matt kontert: Strache wolle "jämmerlicher Status als Haider jr." loswerden

Kunsthallen-Chef Gerald Matt meinte, dass Strache auf diese Art seinen "jämmerlichen Status als Haider jr." loswerden wolle. Der Kunsthalle vorzuwerfen, sie schüre Ausländerfeindlichkeit sei jedoch grotesk: "Hier versucht sich ein Brandstifter als Feuerlöscher", meinte der Museumsdirektor. Man wolle mit dem Projekt hingegen die politischen, symbolischen und ästhetischen Herausforderungen eines EU-Beitrittes der Türkei thematisieren.

Integrationsbeauftragter: Keine Provokation zu entdecken

Omar Al-Rawi, Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft und SP-Gemeinderat meinte, dass Strache im Vorwahlkampf nur mit islam- und fremdenfeindlichen Aussagen im Trüben fischen wolle. Er könne in der Aktion "KanakAttack" keine Provokation entdecken. Es müsse ein Stück Normalität sein, dass man sich nicht jedes Mal an die Türkenbelagerung erinnert fühle, wenn man türkische Fahnen in Wien sehe. Außerdem bedeute Integration seiner Ansicht nach nicht Assimilation, sondern Partizipation in allen Bereichen - also eben auch der Kunst.


 

SP-Kultursprecher Woller attestiert der FPÖ "völlig gestörtes Verhältnis zu zeitgenössischer Kunst"

"Jemand, der mit Säbeln seine Privatprobleme ausficht, ist ungeeignet, Urteile über Integration zwischen ethnischen Gruppen abzugeben", beschied Woller. Offenbar habe die FPÖ "ein völlig gestörtes Verhältnis zu zeitgenössischer Kunst". Die Veranstaltung in der Kunsthalle habe jedenfalls den fairen Dialog zwischen den Kulturen zum Inhalt und nicht das Aufschaukeln von Ängsten, so der SP-Politiker.

Grüne: "Wien darf nicht Säbel-City werden"

Auch der Grüne Ellensohn nahm auf die bekannt gewordene "sportliche Betätigung" des FP-Landesobmannes Bezug und variierte dessen Forderung "Wien darf nicht Istanbul werden" zu "Wien darf nicht Säbel-City werden." Gerade die "hysterische Reaktion der Wiener FPÖ" zeige, wie wichtig derartige Kunstprojekte seien.

FPÖ will Misstrauensantrag gegen Kulturstadtrat initiieren

Strache führte weiters aus, dass man außerdem einen Misstrauensantrag gegen Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) initiieren wolle, für den man allerdings die Unterstützung einer weiteren Rathauspartei benötige. Deshalb werde man auf die Wiener ÖVP zugehen, die sich nun entscheiden müsse, ob sie für oder gegen Integration sei.

ÖVP-Wien: Lassen uns nicht von FPÖ zu Misstrauensantrag provozieren

Ein Sprecher des ÖVP-Rathausklubs meinte hierzu: "Wir lassen uns von Herrn Strache sicher nichts über die Medien ausrichten und zu einem Misstrauensantrag provozieren."

Gelassenheit im Stadtratsbüro

Im Büro Mailath-Pokorny fiel die Reaktion ebenfalls verhalten aus: "Wir sehen dem Antrag gelassen entgegen." (APA/red)


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