Integration ohne Politik funktioniert nicht

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Freitag, 25.04.2003 CHRONIK KURIER 9


„Integration ohne Politik funktioniert nicht“
ZUWANDERER
Gemeinderätin Maria Vassilakou und ihre SP-Amtskollege Omar Al-Rawi haben mehrere Gemeinsamkeiten: Beide sind als Ausländer wegen ihres Universitätsstudiums nach Wien gekommen. Beide haben zum ersten Mal in ihrem Leben bei der Hochschülerschaftswahl in Österreich ihre Stimme abgegeben. Beide hat die FP-Ausländerpolitik zum Einstieg in die Politik motiviert. 
Vassilakou und Al-Rawi sehen im Wahlrecht für Ausländer einen unverzichtbaren Beitrag zur Integration. „Integration kann nur funktionieren, wenn man auch in die politische Kultur einbezogen wird“, ist Al-Rawi überzeugt. Das gelte vor allem für jene, die aus Ländern ohne funktionierende Demokratie kommen.
Der SP-Mandatar kam 1978 aus dem Irak nach Wien und studierte Bauingenieur an der TU Wien. „Damals gab es die Volksabstimmung über Zwentendorf. Ich war verblüfft, dass man über ein Atomkraftwerk abstimmen kann.“ Im Irak hat es keine demokratischen Wahlen gegeben. Entsprechend blauäugig war Al-Rawi auch bei seiner ersten ÖH-Wahl. „Ich habe mich danach orientiert, wer die tollsten Plakate hat.“ 
Auch für Vassilakou war die ÖH-Wahl eine demokratiepolitische Premiere. Denn sie kam 1986 im Alter von 18 nach Wien, um Sprachwissenschaften und Psychologie zu studieren. In ihrer alten Heimat Griechenland war sie noch nicht wahlberechtigt gewesen. „Ich habe damals kein besonderes Interesse an Migrationspolitik gehabt, sondern mich mehr für allgemeine Sozialpolitik interessiert“, erinnert sich die nunmehrige Integrationssprecherin der Grünen. Das Ausländer-Thema wurde ihre mehr oder weniger aufgezwungen. Bei der ÖH-Wahl dürfen Studenten aus dem Ausland zwar wählen, aber nicht kandidieren. Als Ausgleich wurde sie zur Ausländerreferentin gewählt. 
Die vollen politischen Rechte haben beide erst seit ihrer Einbürgerung. Al-Rawi bekam 1988 die Staatsbürgerschaft, Vassilakou wurde 1992 Österreicherin. Dass die zwei heute im Gemeinderat sitzen, ist eine Folge der FP-Ausländerpolitik. „Nach dem Ausländerwahlkampf der FPÖ war mir klar, ich muss das Schicksal selbst in die Hand nehmen“, erzählt Al-Rawi. 
Bei Vassilakou war es ähnlich. Der Anstoß für ihr Engagement bei den Grünen war 1993 das Ausländervolksbegehren der FPÖ: „Mir hat es gereicht.“ Vassilakou warnt davor, sich allein auf das Wahlrecht zu konzentrieren: „Das Wahlrecht kann die Staatsbürgerschaft nicht ersetzen.“
„Nach dem Ausländerwahlkampf der FPÖ war klar, ich muss was tun.“OMAR AL-RAWI
„Ausländerwahlrecht ist wichtig, aber es ist kein Ersatz für die Staatsbürgerschaft.“MARIA VASSILAKOU 
[BILD] WILHELM SCHRAML
[BILD] GERHARD DEUTSCH
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