Rede Gemeinderat zu Smart City Strategie 25.06.2014

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GR Dipl-Ing Omar Al-Rawi (Sozialdemokratische Fraktion des Wiener Landtages und Gemeinderates): Danke, Herr Vorsitzender! Sehr geehrter Herr Bürgermeister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 
Wenn der Herr Landesparteiobmann der ÖVP mit einem Zitat von Brecht begonnen hat, so erlaube ich mir auch (StR Mag Manfred Juraczka: Das war vor zwei Tagen!) - macht nichts (Heiterkeit bei der ÖVP), wir haben ja drei Tage in Reihe -, so erlaube ich mir, mit einem Zitat von Konfuzius zu beginnen. (GR Mag Wolfgang Jung: Oh!) Ja, "oh", ja, ich hoffe, Sie leiden nicht darunter. (GR Johann Herzog: Wir sind beeindruckt!) Konfuzius hat einmal gesagt: Es gibt drei Arten, klug zu handeln. Erstens durch Nachdenken, das ist der edelste Weg; zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste Weg; und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste Weg. 
Das heißt - und das wird jetzt vielleicht anhand der Beispiele, die ich bringe, bewiesen -, dass Wien in seiner Geschichte (GR Johann Herzog: Sich für den bitteren Weg entschieden hat!) sehr oft den ersteren Weg genommen hat. Nein, es tut mir leid, Herr Landtagspräsident, es ist nicht so. 
Ich finde das immer komisch, wie man da sitzt und so gern seine Stadt madig macht und derart nur sudert (GR Mag Dietbert Kowarik: Machen wir ja nicht! Man muss Realist bleiben!), aber in Wirklichkeit, wenn man ein bisschen mit offenen Augen und Herzen herumgeht und ein bisschen den Verstand einschaltet, draufkommt, dass man hundertmal dankbar sein muss, in dieser Stadt zu leben und hier diese hohe Lebensqualität und diese Lebensweise zu genießen. (Beifall bei der SPÖ und den GRÜNEN.) Ich mache es wirklich stolz als einer, der in Bagdad geboren ist und laut Mercer-Studie an letzter Stelle gereiht ist. Wenn ich herumfahre und ein bisschen nachdenke, werden wir sehen, dass es nicht so ist. Wir stehen nicht an, auch aus dem bitteren Weg und aus Fehlern, die nicht nur wir, sondern auch andere gemacht haben, zu lernen und auch gute Beispiele von den anderen zu kopieren.
Wenn wir von smart als schlau oder als gescheit reden: Schauen wir uns einmal die Dinge an, die wir bis jetzt gemacht haben, auch historisch und geschichtlich. Nehmen wir einmal als Erstes die Wohnbaupolitik. Überall in der Welt will man Wohnungen bauen, überall in der Welt weiß man, dass das wichtig ist. Aber was zeichnet Wien aus? 
Wien zeichnet aus, das es geschafft hat, dass 62 Prozent aller Wienerinnen und Wiener in einem geförderten Wohnbau wohnen. Wien hat es geschafft, dass 90 Prozent aller neu errichteten Wohnungen gefördert sind. Wien hat es geschafft, dass es im sozialen Wohnbau eine Durchmischung gibt. Wien hat es geschafft, dass es ein Wohnbau auf höchster Ebene ist, dass es keine Ghettos gibt. Wenn es dann auch Probleme in der Finanzierung gab (GR Ing Udo Guggenbichler: Da geht der Herr Bürgermeister!), hat unser Wohnbaustadtrat die Wohnbauinitiative gestartet, hat auch das Programm für Smart-Wohnungen gestartet. So kann man sagen: Das ist schlau, das ist smart, das ist Wien! (Beifall bei der SPÖ und den GRÜNEN.)
Warum sage ich das? Weil der Herr Bürgermeister im letzten Satz seiner Ansprache ... (GR Mag Wolfgang Jung: Wie ist das mit dem smarten Flughafenprojekt?) Bitte? (GR Mag Wolfgang Jung: Mit dem smarten Flughafenprojekt? Mit dem smarten Krankenhaus Nord?) 
Herr Jung! Ich gebe Ihnen einen Tipp: Lehnen Sie sich ein bisserl zurück, seien Sie entspannter, hören Sie sich die Gschichtln an! (Heiterkeit bei der SPÖ. - GR Mag Wolfgang Jung: Tue ich! Gschichtln, genau!) Hören Sie sich die Gschichtln an (GR Mag Wolfgang Jung: Jawohl, Gschichtln!), das sind keine Märchen aus Tausendundeiner Nacht (GR Mag Wolfgang Jung: O ja!), sondern das sind Tatsachen und Wahrheiten. (Zwischenruf des GR Mag Wolfgang Jung.) Hören Sie es sich an. Sie sind ja einer, der die Stadt oder Ihre Fraktion sehr oft im Ausland vertritt. Vielleicht lernen Sie ein paar Sachen, wo Sie dann woanders, wenn Sie in der Welt herumfahren, gerne stolz von Wien erzählen können. Schließlich fahren Sie auch für die Stadt oft auf Delegationen mit. 
Wenn wir den Bereich Freizeit und wieder die Donauinsel nehmen - das hat der Herr Bürgermeister auch heute erwähnt: Die Donauinsel ist nicht nur ein Raum, wo wir es geschafft haben, einen Freizeitraum zu schaffen, ist nicht nur ein Platz, wo Grünraum entstanden ist, sondern ist auch ein Platz für Kultur. Das Donauinselfest ist eine der größten Freiluftveranstaltungen, die die Stadt zu bieten hat, und zwar europaweit. Gleichzeitig ist sie ein Hochwasserschutz für die Stadt geworden und bietet auch den größten Strand, den eine innerstädtische Hauptstadt Europas hat. Das ist gescheit, das ist smart, das ist schlau!
Wenn wir die Bildung nehmen: Die Bildung wurde heute, glaube ich, auch in der Aktuellen Stunde erwähnt und gebracht, dass wir neun Universitäten, sechs Fachhochschulen, sechs Privatuniversitäten, 190 000 Studentinnen/Studenten in der Stadt haben, wir aus einem großen Bereich von Wissenschaft, Forschung und Innovation (GR Mag Wolfgang Jung: Wie schaut es mit den Studienabbrechern aus? 20 Prozent ...!) darauf zielen können und darauf zugreifen können. 
Gleichzeitig wissen wir, dass wir in einer Stadt, wenn wir hier Investitionen und Konzerne haben wollen, nicht nur die Forschung brauchen, sondern wir brauchen auch eine sehr qualifizierte Arbeitskraft. Deswegen haben wir in Wien, unique weltweit, das duale Bildungssystem. Da kommen Delegationen aus der ganzen Welt (GR Mag Wolfgang Jung: Nein, nicht nur in Wien, sondern in Österreich, in Deutschland, in der Schweiz!) und kommen sich dieses System anschauen, weil wir für Jugendliche eine Perspektive bieten, eine Qualifikation, einen Arbeitsplatz. Das ist schlau, das ist smart, das ist gescheit, das ist Wien! (GR Mag Wolfgang Jung: Wo 20 Prozent nicht lesen, schreiben und rechnen können!) 
Wenn wir an Grünraum und Dichte denken: Wir wissen ja, dass wir aus den historischen Lehren lernen - wenn wir jetzt die dritte Säule von Konfuzius heranziehen -, dass es in der Gründerzeit eine sehr hohe Dichte und eine sehr schlechte Lebensqualität gab. Wir wissen aber gleichzeitig, dass wir in einer wachsenden Stadt, wenn wir 50 Prozent des Grünraums erhalten wollen, auch eine intelligente, eine smarte Dichte brauchen. Daher ist es ja auch hier eine sehr gelungene Idee (GR Mag Wolfgang Jung: Deshalb brauchen wir ...!) zu sagen, wir behalten den Grünraum, wir behalten die Freizeit- und die Lebensqualität. Wir müssen dann mit der Dichte sehr differenziert umgehen, mit höheren Bauten und so weiter. Auch das ist einer unserer Wege, die wir haben.
Viele Dinge, die in der Welt passieren, kriegen wir gar nicht mit: welche Leistungen durch die Institutionen und durch die Stadt Wien passieren. Ich war heuer, vor zwei oder drei Monaten, in Saudi-Arabien, da hat es eine Epidemie gegeben, und keiner wusste, wo sie herkommt. Ich bekam plötzlich eine SMS: Achtung, der Coronavirus grassiert, es gibt keine Heilung, man muss aufpassen, man muss sich die Hände waschen. Alle waren nervös, alle waren ängstlich. Die ganze Welt wusste nicht, wo dieser Virus ist. 
Wer hat es dann entdeckt? Die Veterinärmedizin in Wien hat festgestellt, dieser Virus wurde dann in den Sekreten der Kamele entdeckt, und hat für die ganze Welt eine Leistung geliefert. Wir haben es nicht mitbekommen, weil es uns nicht interessiert. Aber das ist smart, das ist schlau, und das ist auch Wien in unseren innovativen Leistungen! (Beifall bei der SPÖ und den GRÜNEN.)
Wir reden immer auch von dem Schlagwort der Stadt der kurzen Wege. Das ist so ein Schlagwort, das kriegen wir nicht wirklich mit. Aber wenn man herumfährt, wenn man dann Freunde in Amman oder woanders besucht, weiß man, bei dem beginnt die Arbeit um 9 Uhr, er muss aber um 7 Uhr schon aus dem Haus, weil er seine Kinder quer durch die Stadt führt, damit er irgendwo auf der anderen Seite eine Schule erreicht. Dass sie, wann immer sie einkaufen wollen, im Einkaufszentrum in Malls gehen, dass man sich ohne Auto nirgends mehr bewegen kann.
Wenn also heute in Wien einer kommt und sagt, ich hätte gerne einen Kindergartenplatz für mein Kind, und sie helfen ihm, einen zu finden, und es ist dann eine Station oder zwei Stationen mit der Straßenbahn zu fahren, sagt der: nein, das will ich nicht!, weil er es gewohnt ist, dass der Kindergarten ums Eck ist. (GR Mag Wolfgang Jung: ... bei mir in Liesing!) Das ist Lebensqualität, und das ist die Qualität, die wir hier in Wien für die Menschen geschaffen haben! 
Ich sage das, um anzuknüpfen an den letzten Satz in der heutigen Rede des Herrn Bürgermeisters, wo er gesagt hat: Wenn mich heute jemand fragt, was habe ich von einer Smart City, dann freue ich mich, dass er es zumindest gehört hat. Das ist wirklich die Herausforderung! Die Herausforderung ist, dass wir sehr viel planen, sehr viel tun, aber dass den Menschen diese Geschichten plastisch (GR Mag Wolfgang Jung: Gschichtln!) - Geschichten, Menschen leben von Geschichten, ja -, dass man ihnen diese Errungenschaften plastisch präsentiert.
Denn alles wird heute nur mehr als Selbstverständlichkeit genommen! Es ist selbstverständlich, dass ich den Wasserhahn aufmache, und es fließt das qualitativ beste, hochwertige Hochalpenwasser, das vor 70 Jahren, irgendwann einmal in die Berge gefallen und dann hinuntergesickert ist (GR Mag Dietbert Kowarik: Das geht schneller!), dass es kalt ist. Es ist selbstverständlich, dass meine Kinder in Schulen gehen und nicht in Privatschulen, wo ich das teuer bezahlen muss. Es ist selbstverständlich, dass ich die beste Gesundheitsversorgung habe. Es ist selbstverständlich, dass mein geförderter Wohnbau bestens da ist, mit bester Qualität, dass ein Swimmingpool auf dem Dach ist, dass man hinausgeht und auf der Donauinsel (GR Mag Wolfgang Jung: Swimmingpool auf dem Dach?) zu einer Freizeitpark komm, dass man Radl fahren kann, dass es nicht gefährlich ist. (GR Mag Wolfgang Jung: Das ist vielleicht beim sozialdemokratischen Funktionär so!) 
Das ist Wien, Herr Jung, und das wissen die Leute! Die Herausforderung ist, dies den Menschen beizubringen und es zu erklären. Das ist nicht selbstverständlich. Das ist das Ergebnis von beinharter Politik und einer Arbeit, die wir seit Jahren für die Menschen gemacht haben! (Beifall bei der SPÖ und den GRÜNEN.)
Wien ist auch eine Stadt der Begegnung, des Dialogs und der Konferenzen. Es ist nicht von ungefähr, dass die UNO, dass die Atombehörde, dass die OPEC, dass der OPEC Fund und dass alle möglichen Institutionen sich hier niedergelassen haben. Es ist auch nicht selbstverständlich, und Tradition war es immer so. Chruschtschow hat schon Kennedy hier getroffen und ein Carter den Breschnew. Dann haben wir die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Wien unterschrieben, seinerzeit mit George Shultz. Heute oder gestern kam Putin nach Wien, und Österreich hat in dieser Sache eine Rolle gespielt. Wien hat etwas an sich! Das ist Wien, das ist gescheit, das ist schlau, und das ist smart.
Wir haben aus diesem Pool zusätzlich zu unserem Tourismus, den wir aufgebaut haben, auch die Achse gespannt, dass sich auch die Wissenschaft hier trifft, dass wir die Nummer eins im Kongresstourismus sind. Sie kriegen es ja nicht mit, weil Sie nicht die vielen Repräsentationspflichten haben, die der Herr Bürgermeister hat. Wissen Sie, wie oft in Wien Kongresse und Tagungen stattfinden? Mit wie vielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wir zusammenkommen? Mit wie vielen NobelpreisträgerInnen, wie sie von dieser Stadt schwärmen, wie sie wissen, dass es hier einfach toll ist?!
Das sind Leute, die auf Universitäten, auf Forschungsinstitutionen arbeiten. Und Sie sitzen da und sagen, oder der Herr Juraczka: Wien war ja einmal die Stadt von Sigmund Freud; wen haben wir heute? - Da sage ich jetzt ad hoc Zeilinger und Penninger, falls Ihnen das nicht eingefallen ist. (Beifall bei der SPÖ und den GRÜNEN.)
Was, glaube ich, auch sehr wichtig für uns ist, um es für die Zukunft zu denken, das ist heute vielleicht noch nicht gefallen: Nicht nur das Smarte und Gescheite, sondern was zusehends wichtig ist und jetzt auch in der Literatur eine wichtige Rolle spielt, ist die Resilienz. Wien muss eine resiliente Stadt sein, die widerstandsfähig, anpassungsfähig, lernfähig und überlebensfähig sein muss, die auf Herausforderungen reagiert, die innen, aber auch außen passieren können. Auch das sind wir unseren Bürgerinnen und Bürgern schuldig! Das sind wir auch der Stadt schuldig, dass wir hier so weit arbeiten, dass wir die Stadt für die Zukunft fit machen. Wir sind eine Stadt, wo Herausforderungen zu Chancen werden und wo wir aus den Herausforderungen Entwicklungen für die Zukunft machen. 
Eines sollte man vielleicht noch auf den Punkt bringen, der Herr Bürgermeister hat es gebracht: Der Unterschied zu vielen anderen Smart Citys ist, wir lassen in dieser Stadt niemanden zurück. Alle Menschen werden mitgenommen! Wir werden weiterhin eine sozial ausgewogene, tolle Stadt sein, sodass man erhobenen Hauptes in der Welt herumfährt und sagt: Ja, ich bin ein Wiener! - Danke. (Beifall bei der SPÖ und den GRÜNEN.)
Vorsitzender GR Mag Thomas Reindl: Zum Wort gemeldet ist Herr GR Dipl-Ing Stiftner. - Bitte.

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